Unendliche Geschichte vom Smart Metering

Unendliche Geschichte vom Smart Metering

Vorwort

Auf­ge­schrie­ben wird hier die unend­li­che Geschich­te vom Smart Meter­ing in Deutsch­land. Dabei soll deren Erzäh­lung kei­nen Pes­si­mis­mus ver­brei­ten. Noch kön­nen wir auf den guten Aus­gang der Geschich­te hof­fen. Aber der Ver­lauf die­ser Rei­se offen­bart uns man­che Leh­re, wie Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit eines Lan­des sowie sei­ner Wis­sen­schaft­ler und Inge­nieu­re nicht in Büro­kra­tie und detail­ver­lieb­ter Plan­wirt­schaft erstickt wer­den sollte.

Denk‘ ich an Deutsch­land in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“ (Hein­rich Heine)

Es war einmal

Es war ein­mal eine Bun­des­re­gie­rung in der ers­ten Regie­rungs­pe­ri­ode der Jah­re 2005 bis 2009 von Mut­ti Mer­kel zusam­men mit den Sozi­al­de­mo­kra­ten. Die­se Bun­des­re­gie­rung woll­te im Jah­re 2007 die Aktua­li­sie­rung eines Geset­zes ver­ab­schie­den, das den Ursprung für die unend­li­che Geschich­te vom Smart Meter­ing beinhaltete.

Dabei ging es im Rah­men des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes um die Libe­ra­li­sie­rung des Mess­we­sens. Dies klingt nicht beson­ders span­nend, aber hier­mit soll­te die Auf­merk­sam­keit auf ein wich­ti­ges The­ma gelenkt werden.

Im Jah­re 2000 defi­nier­te Euro­pa die Grund­la­gen sei­ner Kli­ma­po­li­tik. Die Beschleu­ni­gung die­ser Poli­tik erfolg­te mit der Ver­ab­schie­dung der euro­päi­schen Ener­gie­stra­te­gie im Jah­re 2007. Dazu gehö­ren die Reduk­ti­on des Koh­len­di­oxid­aus­stos­ses und der Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Die­se Stra­te­gie beschrieb aber auch die Not­wen­dig­keit zur Erhö­hung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Es geht dar­um, für das glei­che Ergeb­nis weni­ger Ener­gie zu benö­ti­gen. Damit ver­bun­den war die Hoff­nung, dass die zeit­na­he Ver­an­schau­li­chung der Ener­gie­nut­zung beim Ver­brau­cher das Bewusst­sein für mög­li­che Ener­gie­spar­maß­nah­men erhö­hen wür­de. Digi­ta­le Ener­gie­mess­ein­rich­tun­gen, die unter dem nicht so bevöl­ke­rungs­na­hen Begriff Smart Meter­ing allen Staa­ten der euro­päi­schen Uni­on drin­gend emp­foh­len wur­den, soll­ten die Grund­la­ge bilden.

In Deutsch­land war nun die Hoff­nung groß, dass ein frei­er Markt im Bereich des Mess­we­sens bald eine Viel­falt von Gerä­ten und Diens­ten für den Ver­brau­cher bereit­stel­len wür­de. Die genann­te Geset­zes­ak­tua­li­sie­rung soll­te also den Rah­men für die not­wen­di­ge Libe­ra­li­sie­rung schaf­fen. Die Idee bestand dar­in, dass neue Mess­ge­rä­te die ver­staub­te, Jahr­zehn­te alte Tech­nik erset­zen. Die neu­en Gerä­te soll­ten digi­tal und fern­aus­les­bar sein, womit neue Dienst­leis­tun­gen über das Inter­net zur Ver­an­schau­li­chung der Ener­gie­nut­zung mög­lich wur­den. Aber die Rech­nung wur­de ohne den Amts­schim­mel gemacht. Wäh­rend der Bun­des­tag den Vor­schlag der Bun­des­re­gie­rung schon abge­seg­net hat­te, wit­ter­ten die Län­der mit fern­aus­les­ba­ren Mess­ge­rä­ten die Kun­den­über­wa­chung. Ein Kom­pro­miss wur­de erst im Jah­re 2008 geschlos­sen, um nun end­lich den Markt mit digi­ta­len Strom­zäh­lern ohne Fern­aus­le­sung zu beglücken.

Fortsetzung

Die unend­li­che Geschich­te vom Smart Meter­ing setz­te sich in der Regie­rungs­pe­ri­ode zwi­schen 2009 bis 2013 von Mut­ti Mer­kel zusam­men mit den Frei­de­mo­kra­ten fort.

Für die Bun­des­re­gie­rung arbei­tet eine Viel­zahl von Minis­te­ri­en mit einem gro­ßen Appa­rat an Beam­ten. Die Aktua­li­sie­rung der Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­ze und damit die Libe­ra­li­sie­rung des Mess­we­sens lagen in den Hän­den des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums. Dort wie­der­um gab es zwei Berei­che, die sich nicht so freund­schaft­lich ver­bun­den waren. Es gab ein Geran­gel um Zustän­dig­kei­ten. Dem einen Bereich gehör­ten die Ener­gie­the­men, ver­bun­den mit einem Wirt­schafts­zweig, der Deutsch­land gemein­sam mit der Auto­in­dus­trie vor 100 Jah­ren zu Reich­tum ver­half. Der ande­re Bereich ver­ant­wor­te­te die The­men rund um Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien. Hier­zu gehört natür­lich das Inter­net, das Mut­ti bis vor weni­gen Jah­ren noch als Neu­land bezeich­ne­te. Hier ist Deutsch­land lei­der nicht so erfolg­reich wie Län­der und Unter­neh­men im wei­ten Wes­ten und dem genau­so wei­ten Osten.

Nun wäre der Fort­schritt beim Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien durch Mut­ti und die Ver­tre­ter der alten Indus­trie­zwei­ge Deutsch­lands bei­na­he aus­ge­bremst wor­den. Die neue Koali­ti­on ent­schied sich auf Druck von Lob­by­is­ten der Ener­gie­wirt­schaft, den Betrieb der Kern­kraft­wer­ke zu verlängern.

Aber es gab einen Tag, der die Spiel­re­geln radi­kal ver­än­der­te. Auf­grund eines sehr schwe­ren Erd­be­bens am 11. März 2011 kam es zur Kata­stro­phe im japa­ni­schen Kern­kraft­werk von Fuku­shi­ma. In der Fol­ge ver­sag­te die Küh­lung und meh­re­re der Kraft­werks­blö­cke explo­dier­ten durch den bei der Über­hit­zung frei­wer­den­den Was­ser­stoff. Eine gan­ze Regi­on Japans wur­de auf Ewig­kei­ten radio­ak­tiv ver­seucht. Die nun wei­se­re Mut­ti ent­schied sich zur Rich­tungs­än­de­rung bei der Ener­gie­po­li­tik Deutsch­lands. Die Erneu­er­ba­ren Ener­gien konn­ten wie­der ver­stärkt aus­ge­baut werden.

E‑Energy

Gleich­zei­tig wirk­te seit 2007 im zweit­ge­nann­ten Bereich des Wirt­schafts­min­s­te­ri­ums ein inno­va­ti­ver Refe­rent. Die­ser agi­le und außer­ge­wöhn­li­che Ver­tre­ter des Beam­ten­ap­pa­ra­tes hat­te die Idee, den elek­tro­ni­schen The­men der Jahr­tau­send­wen­de unter den kryp­ti­schen Titeln E‑Commerce, E‑Business, E‑Government ein geför­der­tes Pro­jekt unter dem Titel E‑Energy hin­zu­zu­fü­gen. Die­ses Pro­gramm soll­te hel­fen, den Umbau des Ener­gie­sys­tems ent­spre­chend den euro­päi­schen Zie­len vor­an­zu­brin­gen. Damit ver­bun­den waren natür­lich Lösun­gen zur Libe­ra­li­sie­rung des Mess­we­sens unter dem Begriff Smart Meter­ing. Nun hat­te aber der Kom­pro­miss von 2008 dem Pro­jekt E‑Energy ein fau­les Ei gelegt. Wie kann eine zeit­na­he Ana­ly­se der Ver­bräu­che für Ener­gie­nut­zer ohne Daten­schnitt­stel­le umge­setzt wer­den? Mess­da­ten soll­ten in Peri­oden von Minu­ten oder gar Sekun­den Ver­brau­chern oder Dienst­leis­tern zuge­führt wer­den. Die Fern­aus­le­sung und die Nut­zung von Mess­da­ten für ver­schie­de­ne Dienst­leis­tun­gen wur­den im Rah­men von E‑Energy gefordert.

Erneut kam es zur Kon­fron­ta­ti­on mit den Daten­schüt­zern. Mit Mess­da­ten bis in den Sekun­den­be­reich lässt sich das Ver­hal­ten des Ener­gie­nut­zers in einer Woh­nung erschließen.

Die Schluss­fol­ge­rung war grund­sätz­lich kor­rekt. Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um beauf­trag­te eine unter­ge­ord­ne­te Behör­de – das Bun­des­auf­sichts­amt für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­tech­nik, kurz BSI – mit der Erstel­lung einer Vor­schrift zum Schutz der Mess­da­ten. Es soll­te sicher­ge­stellt wer­den, dass die Mess­da­ten nur deren Besit­zer oder durch ihn ver­trag­lich beauf­trag­te Dienst­leis­ter erhalten.

Die Orga­ni­sa­ti­on der Aus­füh­rung war ver­hee­rend für den Fort­schritt bei der Ver­brei­tung von Smart Meter­ing. Der Vor­schlag der Indus­trie bestand dar­in, durch das BSI Anfor­de­run­gen an die neu­en Mess­ge­rä­te fest­zu­le­gen und die anfor­de­rungs­ge­rech­te Umset­zung den Unter­neh­men zu über­las­sen, um dann wie­der­um die Aus­füh­rung zu prüfen.

Statt­des­sen wähl­ten BSI und Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ein ande­res Ver­fah­ren. Hier­bei soll­te die Behör­de mit ihren ein­ge­schränk­ten Res­sour­cen sowohl die Anfor­de­run­gen als auch die tech­ni­sche Umset­zung bestim­men. Im Jah­re 2013 soll­te das Ergeb­nis fest­ste­hen, um im Jah­re 2014 Gerä­te ent­wi­ckeln zu kön­nen. Die unend­li­che Geschich­te vom Smart Meter­ing ging in die nächs­te Runde.

Mutti’s dritter Streich

Mut­ti erhielt im Auf­trag des Vol­kes eine drit­te Regie­rungs­pe­ri­ode zwi­schen den Jah­ren 2013 und 2017, nun aber wie­der ver­eint mit den Sozialdemokraten.

Dazu gehör­te jetzt ein männ­li­ches Alpha­tier aus dem frem­den Lan­de Nie­der­sach­sen. Den Titel Vati hat er nie erhal­ten, doch auch er woll­te spä­ter ein­mal Bun­des­kanz­ler wer­den. Wenn es aber um Ener­gie geht, sind die Sozi­al­de­mo­kra­ten gespal­ten. Die eine Sei­te fin­det Erneu­er­ba­re Ener­gien sehr gut. Aber deren Ver­tre­ter aus den Koh­le­län­dern sind gegen Wind­rä­der und Strom von der Son­ne. Sie lie­ben die gro­ßen Löcher in der Erde, aus denen man die schwar­ze und brau­ne Koh­le zum Ver­bren­nen in gro­ßen Kraft­wer­ken holt. Das vie­le Koh­len­di­oxid in der Luft fin­den sie auch nicht so schlimm, denn die Kli­ma­e­er­wär­mung ist doch kein Pro­blem. Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen gab es schließ­lich schon immer, oder?

Ausflug zum Erdklima

Rich­tig, doch in den letz­ten 8000 Jah­ren schwank­ten die Tem­pe­ra­tu­ren auf der Erde um rund 1,5 Grad. Aktu­ell ver­zeich­nen wir eine Erhö­hung von einem Grad in den letz­ten 50 Jah­ren und wei­te­re zwei Grad wer­den bis zum Jahr 2100 vor­her­ge­sagt. Die mitt­le­re Tem­pe­ra­tur der Erde erhöht sich also seit 1970 um zwei bis drei Grad inner­halb von 130 Jah­ren. Wir ste­hen dann mit über 17 Grad Cel­si­us Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur an der obe­ren Kan­te der nach­fol­gen­den Abbil­dung aus dem Jah­re 1995. Seit­dem stieg die Tem­pe­ra­tur schon um wei­te­re 0,5 Grad. Die­se Ände­rungs­ra­te wur­de ledig­lich am Ende der letz­ten Eis­zeit vor 8000 bis 10000 Jah­ren über­trof­fen. Von den ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen der Sint­flut zu die­ser Zeit hat wahr­schein­lich jeder­mann gehört. Aber wir haben kei­ne 2000 Jah­re Zeit zur Anpas­sung, son­dern der Pro­zess voll­zieht sich inner­halb eines Jahrhunderts!

Temperaturschwankungen in 11000 Jahren

Bild: Boden­na­he nord­he­mi­sphä­ri­sche Mit­tel­tem­pe­ra­tu­ren der letz­ten 11.000 Jah­re nach Dans­gaard (1969) und Schön­wie­se (1995), (aus KIHZ, 2000)

Lenker der Energiewende verwechseln Gas und Bremse

Wir waren vor dem Aus­flug zum Kli­ma bei Mutti’s drit­tem Streich ste­hen­ge­blie­ben. Die Zustim­mung zum Ver­trag der neu­en Koali­ti­on war geprägt vom Streit zwi­schen den Ver­fech­tern der Koh­le­en­er­gie und der Erneu­er­ba­ren Ener­gie. Die mit­glie­der­stärks­ten Orga­ni­sa­tio­nen kamen aus den Koh­le­re­gio­nen und der Rest ist Geschich­te. Die poli­ti­schen Len­ker der Ener­gie­wen­de rutsch­ten vom Gas­pe­dal auf die Brem­se. Zwei Jah­re gin­gen ins Land, bevor wei­te­re Ent­schei­dun­gen getrof­fen wurden.

Statt den Schwung der E‑Ener­gy-Pro­jek­te zu nut­zen, star­te­ten neue rele­van­te För­der­pro­gram­me unter den Titeln „Intel­li­gen­te Net­ze“ und „Schau­fens­ter intel­li­gen­te Ener­gie — SINTEG“ erst in den Jah­ren 2016 und 2017.

Die unend­li­che Geschich­te vom Smart Meter­ing hat­te Sen­de­pau­se. Statt Ver­ab­schie­dung der Anfor­de­run­gen und Umset­zungs­vor­schrif­ten im Jah­re 2013 ver­ging das Jahr 2014. Die deut­sche Ener­gie­wirt­schaft und Indus­trie war­te­te auch im Jah­re 2015 auf Ent­schei­dun­gen und war­te­te und wartete.

Im Jah­re 2016 soll­te es end­lich soweit sein, dach­te man. Das Digi­ta­li­sie­rungs­ge­setz und damit die Vor­schrif­ten zur Ver­brei­tung digi­ta­ler und fern­aus­les­ba­rer Mess­ein­rich­tun­gen wur­den ver­ab­schie­det. Das Jahr 2017 soll­te das Jahr der ers­ten Gerä­te sein. Aber auch die­ses Jahr zer­rann ergebnislos.

Auf ein Neues

Es folg­te die Regie­rungs­pe­ri­ode zwi­schen 2017 und 2021. Mut­ti gewann zum vier­ten Mal den Jack­pot. Aber nie­mand woll­te wirk­lich mit ihr regie­ren. Die Sozi­al­de­mo­kra­ten fie­len nach dem gleich am Wahl­abend abge­be­nen Ver­zicht auf die Regie­rungs­be­tei­li­gung wie­der um und betei­lig­ten sich doch.

Dank halb­jäh­ri­ger Kom­pro­miss­bil­dung in der unge­lieb­ten Gemein­schaft fiel die Prio­ri­tät von Maß­nah­men zur Ener­gie­wen­de wei­ter. Aus dem inter­na­tio­na­len Vor­rei­ter der Ener­gie­wen­de wird ein Nach­züg­ler, der sei­ne eige­nen Zie­le nicht erfüllt. Die euro­päi­sche För­de­rung der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de mit Eigen- und Mie­ter­strom­kon­zep­ten spielt in Deutsch­land kei­ne Rol­le. Bür­ger­ge­nos­sen­schaf­ten und regio­na­le Initia­ti­ven wer­den mit Aus­schrei­bungs­mo­del­len, die nur gro­ße Anbie­ter finan­zi­ell stem­men kön­nen, behin­dert. Deckel für die För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gie­an­la­gen las­sen den Aus­bau dra­ma­tisch ein­bre­chen. Wich­ti­ge The­men wie Elek­tro­mo­bi­li­tät, För­de­rung von Ener­gie­spei­chern und die inte­grier­te Betrach­tung der Sek­to­ren Strom, Wär­me und Gas wer­den stief­müt­ter­lich behan­delt. Das not­wen­di­ge Markt­de­sign für Erneu­er­ba­re Ener­gien wird nicht gestal­tet. Statt­des­sen wer­den die Erneu­er­ba­ren in das Markt­re­gime der kon­ven­tio­nel­len Kraft­wer­ke gezwängt.

Das unsee­li­ge Ver­fah­ren, Anfor­de­run­gen, Umset­zungs­fest­le­gun­gen und Zer­ti­fi­zie­rung von Mess­ein­rich­tun­gen beim BSI-Appa­rat mit dem ent­spre­chen­den Fla­schen­hals auf­grund nicht aus­rei­chen­der Res­sour­cen zu belas­sen, ver­zö­gert die Markt­ein­füh­rung von Smart Meter­ing weiter.

Im Jah­re 2017 star­te­te das neue För­der­pro­jekt unter der Bezeich­nung SINTEG. Auf­trag die­ses Pro­gram­mes ist es ins­be­son­de­re, den Roll­out intel­li­gen­ter Mess­sys­te­me in Gang zu brin­gen. Die ers­ten Gerä­te soll­ten nun end­lich im Jah­re 2018 zur Ver­fü­gung ste­hen. Aber auch die­ses Jahr ver­ging und die Indus­trie war­te­te wei­ter­hin auf erfolg­rei­che Zertifizierungen.

Aber es geschah ein Wun­der. Zu Beginn des Jah­res 2019 konn­te die ers­te Zer­ti­fi­zie­rung ver­zeich­net wer­den. Der Her­stel­ler PPC bewies unter die­sen ungüns­ti­gen Umstän­den ein lan­ges Durch­hal­te­ver­mö­gen und erreich­te als Ers­ter die Ziel­li­nie. Das Gesetz schreibt aber zur Markt­ein­füh­rung die Zer­ti­fi­zie­rung von drei Her­stel­lern vor. Akteu­re des Ener­gie­mark­tes war­ten also wei­ter auf den Erfolg von Geschäfts­mo­del­len, die auf den neu­en Mess­sys­te­men basieren.

Die unendliche Geschichte vom Smart Metering und kein Ende

Zwölf Jah­re waren seit 2007 mit der ers­ten poli­ti­schen Initia­ti­ve zu neu­en Mess­sys­te­men ver­gan­gen. Vier ver­schie­de­ne Regie­rungs­ko­ali­tio­nen agier­ten unter Füh­rung von Mut­ti Mer­kel. Zwölf Jah­re ver­stri­chen in Deutsch­land bis zu ers­ten zer­ti­fi­zier­ten Geräten.

Das ers­te Smart­phone – das iPho­ne — wur­de am 9. Janu­ar 2007 von Ste­ve Jobs vor­ge­stellt, inzwi­schen viel­fäl­tig ver­än­dert und kopiert. Der Akti­en­kurs von Ama­zon stand 2007 bei 50 Dol­lar und steht nun bei knapp 2000 Dol­lar. Net­flix brach­te es damals auf 3 Dol­lar und besitzt heu­te einen Kurs in 120-facher Höhe. Im Jah­re 2002 grün­de­te Elon Musk Tes­la und beschloss 2003 Rake­ten für den Flug zum Mars zu ent­wi­ckeln. Inzwi­schen beför­dert SpaceX regel­mä­ßig Mate­ri­al zur Raum­sta­ti­on ISS.

Die für intel­li­gen­te Mess­sys­te­me ent­ste­hen­den Platt­for­men soll­ten Grund­la­ge für eine siche­re Inte­gra­ti­on von Ener­gie­an­la­gen in das Inter­net sowie das Ener­gie­ma­nage­ment in Gebäu­den sein. Künst­li­che Intel­li­genz soll­te unter­stüt­zen, den Ener­gie­ver­brauch zu sen­ken und Ener­gie­ef­fi­zi­enz zu erhöhen.

Das Aus­brem­sen der Ener­gie­wen­de durch die unge­eig­ne­te Vor­ge­hens­wei­se zur Gestal­tung tech­ni­scher Infra­struk­tu­ren führ­te dazu, dass Deutsch­land sei­ne inter­na­tio­na­le Füh­rungs­rol­le ver­lor. Chi­na über­nahm gern die­se Rol­le. Zusätz­lich bie­ten die gro­ßen Inter­net­un­ter­neh­men zuneh­mend Diens­te zum Ener­gie­ma­nage­ment in Gebäu­den ohne das deut­sche Mess­sys­tem an. Ama­zon ent­wi­ckel­te Chip­sät­ze, die in jedes Haus­halts­ge­rät ein­ge­baut direkt mit dem Assis­ten­ten Ale­xa zusam­men­wir­ken. Der Goog­le-Assis­tent steht seit der Über­nah­me des Anbie­ters von Hei­zungs­reg­lern Nest bereit. Der inter­na­tio­na­le Markt und auch zuneh­mend deut­sche Unter­neh­men ent­wi­ckeln am Mess­sys­tem vor­bei. Dabei bie­ten sie eige­ne Mess­ein­rich­tun­gen und siche­re Zugangs­ver­fah­ren an.

Zwölf Jah­re sind in der Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie Äonen. Das Ener­gie­sys­tem mag über 100 Jah­re in einer rela­tiv fixen Struk­tur bestan­den haben. In der Ära der Digi­ta­li­sie­rung funk­tio­nie­ren alte Pro­zes­se beim Umbau des Ener­gie­sys­tems auf Basis Erneu­er­ba­rer Ener­gien nicht mehr. Heu­ti­ge poli­ti­sche Pro­zes­se und Abläu­fe in den Beam­ten­ap­pa­ra­ten sind nicht für das Inno­va­ti­ons­tem­po bei der Digi­ta­li­sie­rung geeignet.

Nachwort

Die unend­li­che Geschich­te vom Smart Meter­ing kann noch ein ver­söhn­li­ches Ende neh­men. Dies gelingt aber nur, wenn die Ver­tre­ter des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums und des BSI ver­ste­hen, dass sich Gesetz­ge­bung und Regu­lie­rung aus der wei­te­ren tech­ni­schen Gestal­tung zurück­zie­hen müs­sen. Fest­zu­le­gen sind aus­schließ­lich die grund­sätz­li­chen Ziel­stel­lun­gen, die Anfor­de­run­gen an den Markt, an die Ver­sor­gungs­si­cher­heit sowie an den Schutz der Men­schen und sei­ner Rech­te inklu­si­ve des Daten­schut­zes. Bei der tech­ni­schen Umset­zung soll­te auf die Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit der Wis­sen­schaft­ler und Inge­nieu­re ver­traut werden.

Eine detail­lier­te Plan­wirt­schaft für das intel­li­gen­te Ener­gie­sys­tem ist in der ver­netz­ten und glo­ba­len Welt unge­eig­net. Gro­ße Plä­ne sind in Ord­nung. Aber Detail­pla­nun­gen des Staa­tes behin­dern eher deren Rea­li­sie­rung. Dies zei­gen uns die Erfah­run­gen frü­he­rer Plan­wirt­schaf­ten. Even­tu­ell liegt hier auch das Erfolgs­re­zept der chi­ne­si­schen Wirt­schaft in den letz­ten zwan­zig Jah­ren. Gro­ße Plä­ne wur­den mit der Krea­ti­vi­tät und Frei­heit des Mark­tes verbunden.

Dies ist Vor­aus­set­zung, dass die unend­li­che Geschich­te vom Smart Meter­ing gut enden kann.

PS: Die Nut­zung des Begrif­fes „Mut­ti Mer­kel“ soll nicht von man­geln­dem Respekt zeu­gen. Ziel des Arti­kels war es, in sati­ri­scher Wei­se die aktu­el­le Pro­ble­ma­tik auf den Punkt zu brin­gen und ver­ständ­lich zu machen.

 

Andre­as Kieß­ling, Lei­men, 04. Mai 2019

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