Containerhafen Piraeus - Beispiel für Wechselspiel von Geostrategie und Energiewende

Geostrategie und Energiewende

Mutlosigkeit

Manch­mal scheint sich Mut­lo­sig­keit breit zu machen. Wird es Euro­pa gelin­gen, in der Zukunft wei­ter wett­be­werbs­fä­hig zu sein? Zwei Bei­spie­le offen­ba­ren scho­nungs­los die aktu­el­le Pro­ble­ma­tik. Dabei erge­ben sich Schluss­fol­ge­run­gen für Geo­stra­te­gie und Energiewende.

Chinesischer Weg

Euro­pa gab in — bei den grie­chi­schen Bür­gern als Arro­ganz ein­ge­stuf­ter Wei­se — Direk­ti­ven vor, wel­che staat­li­che Unter­neh­men in Grie­chen­land zu pri­va­ti­sie­ren waren. Damit war die Sache für Euro­pa erle­digt, denn es gab weder lang­fris­tig trag­fä­hi­ge Ideen noch Unter­süt­zung für den Pro­zess der Pri­va­ti­sie­rung. Statt­des­sen folg­ten immer neue For­de­run­gen, inwie­fern Gehäl­ter, Ren­ten und staat­li­che Sub­ven­ti­ons­maß­nah­men zu kür­zen waren, so dass Arbeits­lo­sig­keit und Armut in Grie­chen­land unfass­bar stiegen.

Chi­na besetz­te die ent­ste­hen­de Lücke der wirt­schaft­li­chen Hand­lungs­fä­hig­keit. Inves­to­ren aus die­sem Lan­de über­nah­men den Con­tai­ner-Hafen in Pirä­us — ein wich­ti­ges Indus­trie­zen­trum in Grie­chen­land und dritt­größ­ter Mit­tel­meer­ha­fen. Ein west­li­cher, allein auf die Wert­stei­ge­rung des Unter­neh­mens ori­en­tier­ter Inves­tor hät­te nur begrenz­te Maß­nah­men zur Ver­wer­tung des Hafens unter­nom­men. Chi­na dage­gen denkt geo­stra­te­gisch. Nicht das Unter­neh­men oder der Markt ist das allei­ni­ge Beur­tei­lungs­kri­te­ri­um. Statt­des­sen sind natio­na­le und inter­na­tio­na­le Ziel­stel­lun­gen wie Sicher­heit, Nach­hal­tig­keit und glo­ba­le Ein­fluss­mög­lich­kei­ten eben­so Kri­te­ri­en der Entscheiungsprozesse.

Inso­fern stell­ten sich chi­ne­si­sche Inves­to­ren, die stets gesamt­staat­li­che und glo­ba­le Inter­es­sen ein­be­zie­hen, gerecht­fer­tigt fol­gen­de Fra­ge. Wie­so wer­den die Con­tai­ner aus Asi­en, die über den Suez-Kanal nach Pirä­us gelan­gen, im Hafen auf ande­re Schif­fe umge­schla­gen, die dann über das Mit­tel­meer, die Stra­ße von Gibral­tar, den Atlan­tik, den Golf von Bis­ka­ya über die Elbe nach Ham­burg gelan­gen? Die Umwelt­bi­lanz hier­zu ist ver­nich­tend. Könn­ten statt­des­sen die Con­tai­ner in grie­chi­schen und ita­lie­ni­schen Häfen auf Züge ver­la­den wer­den, die über den Bal­kan oder Ita­li­en durch Alpen­tun­nel nach Mit­tel­eu­ro­pa gelan­gen? Auf Grund­la­ge die­ser Über­le­gun­gen treibt Chi­na die Kon­zep­te zur Sei­den­stra­ße aus der Ver­bin­dung neu­er See- und Land­we­ge vor­an und baut in Part­ner­schaft mit süd- und ost­eu­ro­päi­schen Län­dern neue Verkehrsinfrastrukturen.

Ergo, Chi­na lässt weit­ge­hend Markt zu. Aber Poli­tik ist Herr der Markt­ent­wick­lung. Inso­fern hat ein bewuss­tes Gestal­ten des Mark­tes das Pri­mat gegen­über den mate­ri­el­len Zie­len des Mark­tes. Dies folgt völ­lig der Logik öst­li­cher Philosophien.

Die europäische Religion des Marktes

Geo­stra­te­gi­sches Den­ken ist West­eu­ro­pa ver­lo­ren gegan­gen. Grie­chen­land wur­de im Jah­re 2009 allein gelas­sen, aber Chi­na wirft man eine Poli­tik zur Spal­tung Euro­pas vor. Ein ein­zel­nes Unter­neh­men kann ein stra­te­gi­sches, län­der­über­grei­fen­des Pro­jekt nicht vor­an­trei­ben. Hier sind die Gren­zen der Markt­wirt­schaft erreicht.

Die­se Gren­zen wer­den uns auch mit einem ande­ren Bei­spiel natio­na­ler und euro­päi­scher Poli­tik ver­deut­licht. Zu betrach­ten ist das Ver­hält­nis von Geo­stra­te­gie und Energiewende.

Die Ener­gie­wen­de ist in ers­ter Linie ein gro­ßer und noch nie dage­we­se­ner Pro­zess der Umge­stal­tung. Hin­ter die­ser sicht­ba­ren Ver­än­de­rung der Land­schaf­ten und Städ­te ver­birgt sich ein womög­lich noch grö­ße­rer unsicht­ba­rer Pro­zess des Umler­nens. Die als gene­rell sicher geglaub­ten Lösungs­an­sät­ze stel­len sich nun als die eigent­li­chen Pro­ble­me her­aus. Alles befin­det sich im Wan­del — und mit dem Wan­del kom­men vie­le Her­aus­for­de­run­gen. Eine Welt der Viel­falt und Dif­fe­ren­zen ent­fal­tet sich.

Aber gera­de die­se neu­en, zu gestal­ten­den Dif­fe­ren­zen sind das Pro­blem des Mark­tes. Der Ener­gie­markt ent­wi­ckel­te sich über 100 Jah­re in zen­tra­lis­ti­scher Wei­se mit den Ener­gie­quel­len in den Hän­den weni­ger Indus­trie­mo­no­po­le. Die­se Unter­neh­men zähl­ten vor der Ent­wick­lung der Tech­no­lo­gien zur Com­pu­ter­tech­nik und dem Inter­net zu den größ­ten Unter­neh­men der Welt und sie gehö­ren immer noch dazu. Die damit ver­bun­de­ne Zen­tra­li­sie­rung des Mark­tes und der Sys­te­me zur Über­tra­gung, Ver­tei­lung und Lie­fe­rung von Ener­gie geschah mit Unter­stüt­zung der Staa­ten. Dies umfass­te eine ent­spre­chen­de geo­stra­te­gi­sche Aus­rich­tung mit dem Ver­such, den welt­wei­ten Ein­fluss zu erhö­hen. Genau die­ses Han­deln Euro­pas, das letzt­end­lich seit 500 Jah­ren auf Basis der See­fahrt und der Kolo­nia­li­sie­rung geschah, wirft man nun Chi­na vor.

Gleich­zei­tig ist heu­te beson­ders Deutsch­land unfä­hig, die Chan­cen der auf neu­er Viel­falt, Dif­fe­ren­zen und Digi­ta­li­sie­rung beru­hen­den Ener­gie­wen­de zu erken­nen. Der heu­ti­ge Ener­gie­markt zeigt sich als unge­eig­net, die­se Chan­cen auf­zu­grei­fen. Inso­fern kann man die Ener­gie­wen­de nicht allein den Unter­neh­men über­las­sen, son­dern muss den Markt in natio­na­ler sowie auch geo­stra­te­gi­scher Sicht umgestalten.

Deutschland, die Energiewende und der Markt 

Deutsch­land lei­te­te die Ener­gie­wen­de mit dem Gesetz für Erneu­er­ba­re Ener­gien im Jah­re 2000 und dann par­tei­über­grei­fend mit Fuku­shi­ma im Jah­re 2011 ein. Wäh­rend die Welt lan­ge auf unse­ren Weg schau­te, über­nahm Chi­na seit dem Jah­re 2015 zuneh­mend das Heft des Han­delns und ist nun glo­ba­ler Vor­rei­ter der Ener­gie­wen­de. Unfä­hig zum geo­stra­te­gi­schen Wir­ken befin­det sich Deutsch­land in einer Sack­gas­se, ver­weist auf einen Markt, der in unge­eig­ne­ter Wei­se gestal­tet ist. Der Rah­men für die bis­he­ri­gen zen­tra­lis­ti­schen Akteu­re wird gepflegt, wäh­rend die Chan­cen der Viel­falt dezen­tra­ler Akteu­re über­se­hen wer­den. Die grund­sätz­li­che und poli­tisch not­wen­di­ge Umge­stal­tung wird unterlassen.

Ergo, Deutsch­land erhebt die Gestal­tungs­ho­heit des Mark­tes qua­si zur Reli­gi­on und bemerkt nicht, dass die bis­he­ri­ge Markt­struk­tur nicht mehr geeig­net ist. Der Markt ist Herr über die Poli­tik. Sei­ne mate­ri­el­len Zie­le haben das Pri­mat gegen­über den geo­stra­te­gi­schen Zie­len der Gesell­schaft bezüg­lich der Absi­che­rung unse­rer Zukunft. Dies folgt völ­lig der Logik west­li­cher Phi­lo­so­phien einer pri­mär mate­ri­ell ori­en­tier­ten Welt­sicht, die sich zu einer Art Ersatz­re­li­gi­on ent­wi­ckel­te und das Indi­vi­du­um in den Vor­der­grund stellt (Trump und „Ame­ri­cas first“ lässt grüßen).

Aktuelle Situation der Energiewende 

Even­tu­ell stutzt jetzt der dem The­ma geneig­te Leser. Ent­spricht es den Tat­sa­chen, dass in Deutsch­land die Poli­tik den Markt nicht stra­te­gisch gestal­tet? Was ist mit der mas­si­ven Regu­lie­rung des Strom­sys­tems sowie mit den Fest­le­gun­gen zur Still­le­gung von Kraft­wer­ken, zum Netz­aus­bau, zur Decke­lung des Aus­bau­es Erneu­er­ba­rer Ener­gien und zur Digitalisierung?

Trotz­dem ver­feh­len wir alle euro­pä­isch oder natio­nal gesteck­ten Zie­le zum Umbau des Ener­gie­sys­tems. Der Aus­stoß an Koh­len­di­oxid ver­rin­gert sich in Deutsch­land nicht. Das Tem­po beim Zubau erneu­er­ba­rer Ener­gie­an­la­gen geht ste­tig zurück, womit die Aus­bau­zie­le für 2030 und 2050 gefähr­det sind. Die Ener­gie­ef­fi­zi­enz im Land, ins­be­son­de­re im Bereich der Gebäu­de und der Indus­trie sowie im Ver­kehr erhöht sich kaum, um die Zie­le für 2050 zu errei­chen. Gleich­zei­tig stei­gen unun­ter­bro­chen die Ener­gie­prei­se für Bür­ger und Unter­neh­men. Bei den Ener­gie­prei­sen bewe­gen wir uns inter­na­tio­nal im Bereich der Spit­zen­rei­ter, ohne dass wir aus­rei­chend Erfol­ge vor­wei­sen kön­nen. Die Ver­sor­gungs­si­cher­heit ist wei­ter­hin hoch. Doch die Anzahl der not­wen­di­gen Ein­grif­fe der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber beim Aus­bi­lan­zie­ren von Ener­gie­ge­win­nung und Ener­gie­nut­zung steigt dra­ma­tisch. Mehr­fach stan­den wir am Ran­de der Kata­stro­phe zum Black­out. Was ist hier los?

Letzt­end­lich spie­len genau zwei Fak­to­ren zusammen.

Faktoren des Misserfolges 

Dar­ge­stellt wur­de, dass im euro­päi­schen Han­deln der Markt das Pri­mat besitzt. Dies wirkt eben­so im Aktio­nis­mus der Poli­tik bezüg­lich der Gestal­tung der Energiewende.

Der ers­te, die erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de behin­dern­de Fak­tor ist fol­gen­der Tat­sa­che zu ver­dan­ken. Trotz zuneh­men­den Aus­baus dezen­tra­ler Ener­gien wur­de die Beherr­schung des Gesamt­sys­tems zur Ener­gie­infra­struk­tur durch weni­ge füh­ren­de Markt­ak­teu­re nicht auf­ge­ge­ben. Regu­lie­rung und Gesetz­ge­bung gestal­ten Maß­nah­men zum Umbau des Ener­gie­sys­tems der­ar­tig, dass das Sys­tem bis­he­ri­ger Markt­ak­teu­re erhal­ten bleibt. Dies zeigt sich bei zu lang­fris­tig ange­leg­ter Still­le­gung fos­si­ler Kraft­wer­ke und beim Netz­aus­bau. Regio­na­le Markt­ak­ti­vi­tä­ten, Bür­ger­ge­nos­sen­schaf­ten und Anla­gen zur Eigen­ver­brauchs­er­hö­hung in Gebäu­den und Stadt­ge­bie­ten wer­den behin­dert. Dies trifft auch auf den Unwil­len der Poli­tik zu, regio­na­le Ener­gie­aus­glei­che mit Ener­gie­spei­chern und in Ver­bin­dung von Ener­gie­infra­struk­tu­ren zu Strom, Wär­me, Gas und Mobi­li­tät zu fördern.

Poli­tik wird vom bis­he­ri­gen Markt beein­flusst und ist unfä­hig, die Chan­cen aus der Ver­bin­dung von Infra­struk­tu­ren mit glo­ba­lem, kon­ti­nen­ta­lem, natio­na­lem, regio­na­lem und loka­lem Kon­text zu erken­nen. Der bis­he­ri­ge Markt funk­tio­niert für die nach­hal­ti­gen Ener­gie­kreis­läu­fe der Zukunft nicht mehr und muss neu­ge­stal­tet wer­den. Dies erfor­dert geo­stra­te­gi­sches Den­ken und damit das Pri­mat der Poli­tik über den Markt.

Der zwei­te, die erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de behin­dern­de Fak­tor liegt in der Detail­ver­liebt­heit der Admi­nis­tra­ti­on unse­res Staates.

Seit 12 Jah­ren hält sich die Poli­tik – mit einer Geset­zes­no­vel­le im Jah­re 2007 und wei­ter­ge­führt mit dem Auf­trag an das Bun­des­amt für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­tech­nik im Jah­re 2010 – an der detail­lier­ten Spe­zi­fi­ka­ti­on und Zer­ti­fi­zie­rung eines intel­li­gen­ten Mess­sys­tems fest. Gleich­zei­tig wer­den viel­fäl­tig not­wen­di­ge Maß­nah­men zur Füh­rung eines vola­ti­le­ren und dezen­tra­le­ren erneu­er­ba­ren Ener­gie­sys­tems an der Ver­füg­bar­keit die­ser Mess­sys­te­me fest­ge­macht. Neue Gestal­tungs­for­men für alle Akteu­re der Gesell­schaft, die die Ener­gie­wen­de poten­zi­ell ermög­licht, wer­den damit ver­hin­dert. Damit unter­lie­gen deut­sche Unter­neh­men der Gefahr, dass auch hier die han­deln­den Akteu­re zukünf­tig auf Basis der Digi­ta­li­sie­rung aus Chi­na oder auch den USA kommen.

Staatliche Detaileingriffe oder Gestaltung des Rahmens 

Offen­bar ver­hin­dert Detail­ver­liebht­heit bei gleich­zei­ti­ger Prio­ri­sie­rung des exis­tie­ren­den Mark­tes die not­wen­di­ge Ver­bin­dung von Geo­stra­te­gie und Energiewende.

Das The­ma der Detail­ein­grif­fe soll des­halb noch ein­mal am Bei­spiel der intel­li­gen­ten Mess­sys­te­me auf­ge­nom­men wer­den. Mit dem im Jah­re 2011 gestar­te­ten und acht Jah­re anhal­ten­den Pro­zess zu deren Defi­ni­ti­on wur­de in Deutsch­land der tech­ni­sche Rah­men bis zur Zer­ti­fi­zie­rung ers­ter Her­stel­ler im Detail durch eine vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWi) beauf­trag­te Behör­de gestal­tet. In der Fol­ge ist Deutsch­land in Euro­pa inzwi­schen bei der Ein­füh­rung Klas­sen­letz­ter. Eini­ge, poten­zi­el­le Geschäfts­mo­del­le kamen durch den Kon­kurs zu lan­ge in War­te­po­si­ti­on gesetz­ter, jun­ger Unter­neh­men nicht zur Wir­kung. Die von höchs­ter Geschwin­dig­keit gepräg­te Welt der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gien pro­du­zier­te in die­sem Zeit­raum meh­re­re Gerätegenerationen.

Inter­na­tio­nal ist ein völ­lig ande­res Vor­ge­hen üblich.

Der Staat defi­niert tech­no­lo­gie­of­fen grund­sätz­li­che Anfor­de­run­gen und übt damit das Pri­mat sei­ner Gestal­tungs­ho­heit aus. Der Markt sorgt jeweils für die aktu­ell bes­te tech­ni­sche Lösung, die kon­form zu den Anfor­de­run­gen ist. Dies macht den Erfolg ame­ri­ka­ni­scher Inter­net­un­ter­neh­men aus, die mit agi­ler Ent­wick­lungs­ge­schwin­dig­keit auf jeweils neue Anfor­de­run­gen ein­ge­hen. Dies beschreibt auch die Vor­ge­hens­wei­se Chi­nas, bei der der Staat an grund­le­ge­nen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen der Unter­neh­men betei­ligt ist, aber gleich­zei­tig die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des Mark­tes weit­ge­hend ermöglicht.

Das natio­na­le Vor­ge­hen Deutsch­lands ist in hohem Maße durch Regu­lie­rung, Gesetz­ge­bung sowie auch von Stan­dar­di­sie­rung und tech­ni­schen Vor­ga­ben im Detail geprägt. Das BMWi stell­te aktu­ell einen Fünf-Jah­res-Plan zur Wei­ter­ent­wick­lung des intel­li­gen­ten Mess­sys­tems und der not­wen­di­gen Nor­men für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Sicher­heit der Öffent­lich­keit vor. Bös­wil­li­ge Akteu­re könn­ten hier Ver­glei­che zur Detail­ver­liebt­heit ost­eu­ro­päi­scher Fünf-Jah­res-Plä­ne vor der poli­ti­schen Wen­de im Jah­re 1990 ziehen.

Dage­gen stellt Chi­na eben­so Fünf-Jah­res-Plä­ne auf, die auch den Umbau des Ener­gie­sys­tems ein­schlie­ßen. Doch hier­bei wird auf den Rah­men, grund­sätz­li­che Ziel­stel­lun­gen unter Ein­be­zie­hung der Aspek­te Geo­stra­te­gie und Ener­gie­wen­de geach­tet. Detail­ver­liebt­heit wür­de das Vor­ha­ben an der resul­tie­ren­den Kom­ple­xi­tät der Füh­rung zer­bre­chen lassen.

Herausforderungen zur Festlegung des Rahmens 

Die Ener­gie­ge­win­nung aus erneu­er­ba­ren Quel­len bringt neue Her­aus­for­de­run­gen mit sich. Dies betrifft ins­be­son­de­re die not­wen­di­ge Sys­tem­fle­xi­bi­li­sie­rung im Sek­to­ren­ver­bund Strom, Wär­me, Gas und Mobi­li­tät, um die Schwan­kun­gen der Ener­gie­ge­win­nung zu beherrschen.

Damit ver­bun­den sind die Zunah­me der Viel­falt akti­ver Betei­lig­ter und deren Grad der Ver­net­zung, aber auch das Ent­ste­hen neu­er For­men der Orga­ni­sa­ti­on zwi­schen den Betei­lig­ten. In der Fol­ge wächst die Kom­ple­xi­tät der Systemführung.

Die Viel­falt resul­tiert aus der Anwend­bar­keit der erneu­er­ba­ren Erzeu­gung in unter­schied­lichs­ter Ska­lie­rung vom Gebäu­de über Stadt­quar­tie­re und Area­le, über Ort­schaf­ten, Städ­te zu Regio­nen, bis hin zu natio­na­len und inter­na­tio­na­len Strukturen.

Beim aus­schließ­lich zen­tral gesteu­er­ten Sys­tem unter den Bedin­gun­gen der Viel­falt der Betei­lig­ten kann Kom­ple­xi­tät zur Unbe­herrsch­bar­keit des Sys­tems füh­ren. Auto­no­mie viel­fäl­ti­ger und ver­bun­de­ner Teil­sys­te­me ohne Regeln der Inter­ak­ti­on kann zu chao­ti­schem Ver­hal­ten füh­ren. Die Kunst eines sta­bi­len und gleich­zei­tig fle­xi­blen sowie ent­wick­lungs­fä­hi­gen Sys­tems besteht dar­in, lokal als eigen­stän­di­ges Sys­tem zu agie­ren, aber gleich­zei­tig die Syn­er­gien einer glo­ba­len Ver­net­zung zu erschlie­ßen – hand­le lokal und den­ke global.

Der Satz der Mecha­nis­men inner­halb von Teil­sys­te­men als auch die Regeln an den Gren­zen zwi­schen den Teil­sys­te­men, die Auto­no­mie ermög­li­chen und gleich­zei­tig ein fle­xi­bles Gesamt­sys­tem för­dern, sind dem­zu­fol­ge zu definieren.

Die­ser Satz von Regeln ist pri­mär durch die Gesell­schaft und den Staat als Ver­tre­ter vor­zu­ge­ben, beschreibt aber ledig­lich die grund­sätz­li­chen Anfor­de­run­gen. Es ist nicht ziel­füh­rend, tech­ni­sche Lösun­gen detail­liert durch den Staat vor­zu­ge­ben. Hier kann tech­no­lo­gie­of­fen der Markt sekun­där in den Gren­zen des Rah­mens agieren.

Wir haben aber auch fest­ge­stellt, dass die Gren­zen zwi­schen staat­li­cher Ein­fluss­nah­me und Agie­ren des Mark­tes flie­ßend sind — wie bei aller Dia­lek­tik. Inso­fern kann fol­gen­de Schluss­fol­ge­rung gezo­gen wer­den. Zu berück­sich­ti­gen sind sowohl geo­po­li­ti­sche und als auch loka­le, regio­na­le Aspek­te. In Bezug auf das Ver­hält­nis von Geo­stra­te­gie und Ener­gie­wen­de sind aber eben­so die Maß­nah­men von Staat und Markt auszutarieren.

Zelluläre Gestaltung im Verhältnis von Geostrategie und Energiewende

Ein Ener­gie­sys­tem kann schon inner­halb eines Gebäu­des defi­niert wer­den. Im Ver­bund kön­nen die­se Gebäu­de mit­ein­an­der inter­agie­ren sowie Ener­gie tei­len und austauschen.

Gebäu­de kön­nen wie­der­um Teil eines Stadt­quar­tie­res sein, in dem gemein­sa­me Ener­gie­an­la­gen und ande­re Infra­struk­tu­ren bereit­ste­hen sowie zur Nut­zung durch alle Betei­lig­ten gesteu­ert wer­den. Damit ent­steht letzt­end­lich ein gemein­sa­mes Sys­tem, in das Teil­sys­te­me ein­ge­bet­tet wer­den, die als Ener­gie­zel­len eines Gesamt­sys­tems betrach­tet wer­den können.

Die Ein­bet­tung von Ener­gie­zel­len in umfas­sen­de­re Zel­len kann fol­gen­der­ma­ßen typi­siert werden:

-                Wohn­häu­ser und kom­mer­zi­el­le Gebäude

-                Stadt­quar­tie­re

-                Indus­trie­ge­bie­te sowie ande­re pri­va­te und öffent­li­che Areale

-                Ver­tei­lungs­net­ze und sons­ti­ge Nahnetze

-                Über­tra­gungs­net­ze und sons­ti­ge Fernnetze

-                Ver­bund­netz in Europa

-                inter­kon­ti­nen­ta­ler Verbund

Somit kann ein Ener­gie­sys­tem auf Basis ein­ge­bet­te­ter Ener­gie­sys­te­me gestal­tet wer­den.  Die ein­ge­bet­te­ten Sys­te­me bil­den Ener­gie­zel­len eines Gesamt­ver­bun­des als zel­lu­lä­res Ener­gie­sys­tem mit dem Begriff Ener­gie­or­ga­nis­mus als Analogie.

Hier­bei las­sen sich die geo­po­li­ti­schen Zie­le Chi­nas beim Auf­bau neu­er trans­kon­ti­nen­ta­ler Infra­struk­tu­ren als welt­um­span­nen­des Strom­netz eben­so inte­grie­ren wie kon­ti­nen­ta­le, natio­na­le, regio­na­le und loka­le Lösun­gen. Sub­si­diä­res Han­deln und Glo­ba­li­sie­rung wach­sen zusam­men. Men­schen in den ver­schie­de­nen Kul­tu­ren und Gesell­schaf­ten behal­ten Hand­lungs­ho­heit und nut­zen trotz­dem die Vor­tei­le des Zusammenwirkens.

Schlussfolgerungen

Dar­ge­stellt wur­de, dass die rich­ti­ge Gestal­tung des Ver­hält­nis­ses von Geo­stra­te­gie und Ener­gie­wen­de durch die Poli­tik auf­grund regio­na­ler, natio­na­ler und geo­po­li­ti­scher Aspek­te sowie durch den Markt auf­grund indi­vi­du­el­ler, mone­tä­rer Aspek­te im Wider­streit von zen­tra­len und dezen­tra­len Akteu­ren kein leich­tes Unter­fan­gen ist.

Grund­sätz­lich aber gilt es, das Pri­mat der Gesell­schaft und damit des bewuss­ten Gestal­tens auf­grund der Inter­es­sen der Men­schen als Gemein­schaft gegen­über der sekun­dä­ren Funk­ti­on des Mark­tes zu bewahren.

Die Wirt­schaft befin­det sich in der die­nen­den Funk­ti­on gegen­über der Gesellschaft!

Nicht die Gesell­schaft dient der Wirtschaft!

Dem­entspre­chend ist eine Wirt­schaft zu gestal­ten, die die Viel­falt der Hand­lungs­mög­lich­kei­ten im Ver­hält­nis von Sub­si­dia­ri­tät und Glo­ba­li­sie­rung bewahrt und damit auch das Span­nungs­feld von Geo­stra­te­gie und Ener­gie­wen­de beherrscht.

Andre­as Kieß­ling, Lei­men, 31. März 2019

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