Fokus Energie und Energiewende-Blog - Schwungrad der Energiewende

Schwungrad der Energiewende

Viel­fäl­tig kur­siert das Wort ENERGIEWENDE. Doch wodurch ist die Ener­gie­wen­de gezeich­net? Was sind die eigent­li­chen Trei­ber, um der Trans­for­ma­ti­on des Ener­gie­sys­tems den not­wen­di­gen Schwung zur bestän­di­gen Fort­be­we­gung zu ver­lei­hen? Nach­fol­gen­de Dar­stel­lung des Schwung­ra­des der Ener­gie­wen­de dient der Beschrei­bung eines Pro­zes­ses zur erfolg­rei­chen Sys­tem­trans­for­ma­ti­on (Gestal­tung frei nach Jim Coll­ins in “Der Weg zu den Bes­ten”, Cam­pus-Ver­lag, 2011).

Bei der Betrach­tung der Anschubfak­to­ren zur Ener­gie­wen­de stößt man auf die  Zie­le der Ener­gie­po­li­tik der EU zur Sen­kung von CO2, zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz sowie zum schritt­wei­sen Umstieg auf erneu­er­ba­re Ener­gien. Nun stellt sich die Fra­ge, WER auf Basis die­ser drei Zie­le den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess antreibt. Schnell wird klar, dass dies nur durch eine par­ti­zi­pa­ti­ve, gesamt­ge­sell­schaft­li­che Anstren­gung gelin­gen kann. Der Drei­klang die­ser Zie­le bot aber gleich­zei­tig die not­wen­di­gen Betei­li­gungs­chan­cen. Viel­fäl­ti­ge Initia­ti­ven von Bür­gern, inno­va­ti­ven Unter­neh­men – ins­be­son­de­re auch im Bereich der Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons-tech­no­lo­gie – sowie in den Städ­ten und Regio­nen ent­wi­ckel­ten sich. Die betrifft den Aus­bau der dezen­tra­len Erzeu­gung, regio­na­le Ener­gie­kon­zep­te als Teil neu­er Land­schafts­ent­wick­lungs­ideen und neue For­men der Gebäu­de­ge­stal­tung zur Erhö­hung von Ener­gie­ef­fi­zi­enz mit dezen­tra­lem Ener­gie­ma­nage­ment. Dies ermög­lich­te neue Unter­neh­mens­kon­zep­te, neue Arbeits­plät­ze, regio­na­le Wert­schöp­fung sowie tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen mit welt­wei­ter Vor­rei­ter­funk­ti­on. Ener­gie­wen­de bedeu­tet im Kern Viel­falt.

Beim Ver­ständ­nis die­ses Pro­zes­ses wird schnell klar, dass die durch den euro­päi­schen Ener­gie­kom­mis­sar Oet­tin­ger in das Auge gefass­te Ände­rung der Ziel­rich­tung durch Fokus­sie­rung auf das Ziel zur CO2-Sen­kung bei aller Bedeu­tung des CO2-Zie­les das in Gang gesetz­te Schwung­rad stoppt. Gibt man die Zie­le für erneu­er­ba­re Ener­gien und für Ener­gie­ef­fi­zi­enz auf, endet die Anschub­funk­ti­on zur Ent­fal­tung viel­fäl­ti­ger gesell­schaft­li­cher Kräf­te. Koh­le­ver­bren­nung in Zusam­men­hang mit unter­ir­di­scher Lage­rung des Koh­len­di­oxids sowie Kern­kraft­wer­ke gewin­nen dann wie­der zuneh­mend Bedeu­tung. Das CO2-Ziel ist aus Sicht einer zen­tra­lis­tisch orga­ni­sier­ten Ener­gie­wirt­schaft mit weni­gen Akteu­ren aus­rei­chend, aber nicht aus Sicht eines dezen­tra­len Ener­gie­sys­tems mit viel­fäl­ti­gen Chan­cen und Akteu­ren sowie für Anstren­gun­gen zur Erhö­hung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Unter wett­be­werb­li­cher Betrach­tung zur Ent­fal­tung neu­er Märk­te, Unter­neh­men und Tech­no­lo­gien, zur Selbst­ver­wirk­li­chung von Bür­gern und Städ­ten ist der Vor­schlag von Oet­tin­ger kon­tra­pro­duk­tiv. Zie­le für mehr Wett­be­werb und Ener­gie­ge­rech­tig­keit wer­den damit verfehlt.

Mit der Erkennt­nis, dass die Ener­gie­wen­de zuerst einen gesamt­ge­sell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len Gestal­tungs-pro­zess aus­löst, erge­ben sich schnell Ant­wor­ten auf die Fra­ge­stel­lung, WAS zu tun ist. Die neue Viel­falt, die hier­bei not­wen­di­ge Ver­net­zung unter Ein­be­zie­hung von Pro­sumen­ten und neue Orga­ni­sa­ti­ons­for­men füh­ren zur zuneh­men­den Kom­ple­xi­tät des Ener­gie­sys­tems. Deren Beherr­schung gelingt ers­tens durch Fle­xi­bi­li­sie­rung, ins­be­son­de­re auch durch die Inte­gra­ti­on von Infra­struk­tu­ren für Elek­tri­zi­tät, Gas, Wär­me und Mobi­li­tät. Dies erfor­dert aber zwei­tens die Inte­gra­ti­on von Erzeu­gern, Spei­chern und Ver­brau­chern, Ener­gie­ma­nage­ment in Lie­gen­schaf­ten in Inter­ak­ti­on mit Net­zen und Märk­ten, Abstim­mung zwi­schen Net­zen sowie zwi­schen Net­zen und Märk­ten. Die damit ent­ste­hen­den Mas­sen­pro­zes­se und der Aus­tausch klei­ner Ener­gie­men­gen erfor­dern stan­dar­di­sier­te Pro­zes­se sowie die zuneh­men­de Pro­zess­au­to­ma­ti­sie­rung, um kos­ten­güns­tig in dezen­tra­len Struk­tu­ren, ins­be­son­de­re auch in der Inter­ak­ti­on von Pro­sumen­ten, zu wirken.

Es ver­bleibt die Fra­ge­stel­lung, WIE die Anfor­de­run­gen zur Unter­stüt­zung der gesell­schaft­li­chen Viel­falt zu erfül­len sind. Fle­xi­bi­li­tät, Sys­tem­in­te­gra­ti­on sowie Pro­zess­au­to­ma­ti­sie­rung benö­ti­gen eine geschütz­te IKT-Infra­struk­tur als Inter­ak­ti­ons­ba­sis aller Akteu­re bis zu den Lie­gen­schaf­ten. Grund­la­ge für eine wett­be­werb­li­che, bar­rie­re­freie gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung ist Inter­ope­ra­bi­li­tät, die Stan­dards bei Pro­zes­sen, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Sicher­heit erfor­dert. Auf die­ser Grund­la­ge ent­wick­len sich viel­fäl­ti­ge, neue Geschäfts­mo­del­le im Ener­gie­sys­tem in Ana­lo­gie zur Geschäfts­mo­dell­ent­fal­tung im Inter­net. Da mit der Trans­for­ma­ti­on des Ener­gie­sys­tems Neu­land betre­ten wird, sind groß­flä­chi­ge Pilot­zo­nen zur Demons­tra­ti­on fle­xi­bi­li­sier­ter und inte­grier­ter Sys­te­me not­wen­dig. Die­se Zonen zei­gen ins­be­son­de­re, wie der Über­gang von einem zen­tra­lis­tisch geführ­ten Sys­tem zu einem Sys­tem geteil­ter Ver­ant­wor­tung mit loka­ler und regio­na­ler Inter­ak­ti­on sowie hier­ar­chi­scher Abstim­mung zu gestal­ten ist, wofür der Begriff eines zel­lu­la­ren Ener­gie­sys­tems steht.

Letzt­end­lich benö­tigt das zukünf­ti­ge Ener­gie­sys­tem ein neu­es Markt­de­sign, da das aktu­el­le Design für fos­si­le und nuklea­re Ener­gie­trä­ger err­rich­tet wur­de und erneu­er­ba­re Ener­gien nicht zu die­ser Gestal­tung pas­sen. Die sich ent­wi­ckeln­de Infra­struk­tur­grund­la­ge, neue Geschäfts­mo­del­le und das neue Markt­de­sign füh­ren zum ers­ten Umschwung des Schwung­ra­des der Ener­gie­wen­de. Die sich ver­än­dern­de gesell­schaf­ti­che Basis ist wie­der­um neu­er Anschub für das WER der gesell­schaft­li­chen Kräf­te, um das Rad wei­ter zu beschleunigen.

Damit bil­det der gesell­schaft­li­che Rah­men (im Schwung­rad der Buch­sta­be P für Poli­tik) die Grund­la­ge für die kul­tu­rel­le Ver­än­de­rung hin zu neu­en Ener­gie­land­schaf­ten (L für Land­schaft). Dar­aus resul­tie­ren­de Anfor­de­run­gen für neue tech­no­lo­gi­sche Grund­la­gen (T für Tech­no­lo­gie) erge­ben ein neu­es öko­no­mi­sches Hand­lungs­feld (E für OEkono­mie) zur Gestal­tung des sich im Zen­trum des Schwung­ra­des befind­li­chen Ener­gie­sys­tems (E für Ener­gie).

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