Innovationsimpulse statt Detailregulierung

Innovationsimpulse statt Detailregulierung

Inhaltsverzeichnis

  1. Vor­wort — Dampf­ma­schi­ne im Cyber War
  2. Zusam­men­fas­sung — Inno­va­ti­ons­im­pul­se statt Detailregulierung
  3. Emp­feh­lun­gen zur EEG- und EnWG-Novel­le — Auto­no­mie hin­ter dem Netzanschluss
  4. Trei­ber der Energiewende
  5. Stan­dards sind Bin­de­glied zwi­schen Inno­va­ti­on und Sicher­heit — Gestal­tungs­ebe­nen wirt­schaft­li­cher Entwicklung
  6. Eigen­ver­sor­gung und Energiegemeinschaften
  7. Emp­feh­lun­gen für die Schnitt­stel­le zum Prosumenten
  8. C/sells-Posi­ti­on zum Stu­fen­mo­dell des BMWI zur Wei­ter­ent­wick­lung von Stan­dards für die Digi­ta­li­sie­rung der Energiewende
  9. Tech­ni­sche Detail­re­gu­lie­rung im EEG unter Blick­win­kel der Abgren­zung von Rechts­sys­tem, nor­ma­ti­ver Basis und Innovation
  10. Lab Hybrid — Digi­ta­ler Netz­an­schluss und auto­no­mes Ener­gie­ma­nage­ment — Blau­pau­se für Novel­lie­rung EnWG und EEG

Zusammenfassung — Innovationsimpulse statt Detailregulierung

Par­ti­zi­pa­ti­on durch Recht auf Eigen­ver­sor­gung und auto­no­me Gestaltung

Europäische Normen und Standards stärken

Unter dem Titel „Euro­päi­sche Nor­men und Stan­dards stär­ken – Impul­se für den Grü­nen Deal“ fand am 16. Sep­tem­ber 2020 ein vir­tu­el­ler Work­shop zur Umset­zung euro­päi­scher Poli­ti­ken mit euro­päi­schen har­mo­ni­sier­ten Nor­men statt.

Im Bei­sein der Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tä­rin Eli­sa­beth Win­kel­mei­er-Becker und des Kom­mis­sars für den Bin­nen­markt Thier­ry Bre­ton wur­den die erfolg­rei­che 60-jäh­ri­ge Geschich­te der euro­päi­schen Stan­dar­di­sie­rung sowie die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen für die Stan­dar­di­sie­rung dargestellt.

Im Kon­sens­pro­zess aller inter­es­sier­ten Betei­lig­ten ent­ste­hen­de Nor­men und Stan­dards bil­den die Schnitt­stel­le zwi­schen der Ent­fal­tung von Inno­va­tio­nen und auto­no­mer, viel­fäl­ti­ger Gestal­tung in Wirt­schaft und Gesell­schaft sowie dem Rechts­sys­tem als ver­bin­den­der Über­bau der Gesell­schaft. Die Stär­kung der Nor­men stärkt wie­der­um die öffent­lich-pri­va­te Part­ner­schaft. Gleich­zei­tig wird im Rechts­sys­tem die Kom­ple­xi­tät bei der Gestal­tung von Regeln durch die Kon­zen­tra­ti­on der Gesetz­ge­bung und Regu­lie­rung auf Leit­li­ni­en, Zie­le und Anfor­de­run­gen redu­ziert. Die Aus­ge­stal­tung der dazu not­wen­di­gen Maß­nah­men in Form von Nor­men erfolgt im Kon­text der Exper­ten aller Inter­es­sen­trä­ger, inte­griert in das euro­päi­sche und natio­na­le Umfeld.

Handlungsebenen für Innovationen, normative Basis und Rechtssystem

Emp­feh­lun­gen im Pro­jekt C/sells des vom BMWi geför­der­ten Pro­gram­mes „Schau­fens­ter intel­li­gen­te Ener­gie – SINTEG“ basie­ren auf der Abgren­zung wich­ti­ger Hand­lungs­ebe­nen. Dies betrifft die Ebe­ne der Wirt­schaft zur Bereit­stel­lung von Inno­va­tio­nen, die nor­ma­ti­ve Basis und das Rechts­sys­tem. Die Stär­kung von Inno­va­tio­nen und nor­ma­ti­ver Basis im Rah­men eines recht­li­chen Über­baus schafft letzt­end­lich Akzep­tanz für Ver­än­de­rungs­pro­zes­se und ist Grund­la­ge für die dyna­mi­sche Ent­wick­lung einer fle­xi­blen Gesell­schaft. Dazu soll­ten Rechts­trä­ger und Aus­füh­rungs­or­ga­ne bereit sein, Kon­trol­le teil­wei­se abzu­ge­ben und auf ein Über­maß an Büro­kra­tie und tech­ni­scher Detail­re­gu­lie­rung zu verzichten.

Die­se Emp­feh­lun­gen wer­den im euro­päi­schen und natio­na­len Rah­men gestützt durch

  • die EU-Richt­li­nie zu Erneu­er­ba­ren Ener­gien [EU Richt­li­nie. (12/2018)] bezüg­lich der Stär­kung der auto­no­men Gestal­tung durch Eigen­ver­brauchs­lö­sun­gen und Energiegemeinschaften,
  • die Mit­tei­lung der Kom­mis­si­on zu har­mo­ni­sier­ten Nor­men [EU Mit­tei­lung. (11/2018)] bezüg­lich der ver­bes­ser­ten Trans­pa­renz und Rechts­si­cher­heit für einen unein­ge­schränkt funk­tio­nie­ren­den Binnenmarkt,
  • das Rechts­gut­ach­ten zum euro­päi­schen Sys­tem der har­mo­ni­sier­ten Nor­men [Rede­ker. (08/2020)],
  • das EU-Weiß­buch Künst­li­che Intel­li­genz [EU Weiß­buch. (02/2019)] sowie
  • die Stel­lung­nah­me zum EU-Weiß­buch auf der Web­sei­te zur Natio­na­len KI-Stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung [BR COM (2020) 65 final].

Auf die­ser Basis wird im vor­lie­gen­den Doku­ment die Bewer­tung ver­schie­de­ner poli­ti­scher Initia­ti­ven im Rah­men des Rechts­sys­tems vor­ge­nom­men, die in Deutsch­land den wei­te­ren Aus­bau Erneu­er­ba­rer Ener­gien in Ver­bin­dung mit der Digi­ta­li­sie­rung der Pro­zes­se zwi­schen Markt, Netz und Lie­gen­schaf­ten beför­dern sollen.

Dies betrifft zuerst die not­wen­di­ge Stär­kung der Betei­li­gung aller Akteu­re der Gesell­schaft an den Chan­cen der Trans­for­ma­ti­on des Ener­gie­sys­tems ent­spre­chend der EU-Richt­li­nie zu Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Hier­zu ist die Anpas­sung des gesetz­li­chen Rah­mens, ins­be­son­de­re des Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Geset­zes (EEG), zu bewer­ten. Dies betrifft die not­wen­di­ge Erhö­hung der Frei­heits­gra­de zur auto­no­men Gestal­tung auf Grund­la­ge von Inno­va­tio­nen sowie eines nor­ma­ti­ven Rah­mens der Wirt­schaft in inter­na­tio­na­ler Zusammenarbeit.

Innovationsimpulse statt Detailregulierung

Zur Aus­ge­stal­tung des EEG im Rah­men der EU-Richt­li­nie gehört aber auch die Bewer­tung der Vor­schlä­ge der Bun­des­netz­agen­tur zur Ein­bin­dung des Pro­sumen­ten an der Schnitt­stel­le zu den Lie­gen­schaf­ten. Für C/sells sind die auto­no­men Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten der Pro­sumen­ten in Ver­bin­dung mit sys­tem­dienli­chen Ver­hal­ten die Grund­la­ge von Par­ti­zi­pa­ti­on, Viel­falt, zel­lu­lä­rem Den­ken und damit unver­zicht­ba­res Mit­tel für den Erfolg der Ener­gie­wen­de. Des­halb ergänzt das Pro­jekt die Vor­schlä­ge der Bun­des­netz­agen­tur durch einen eige­nen Vor­schlag. Erfolgs­grund­la­ge des emp­foh­le­nen Lösungs­we­ges sind Stan­dard­pro­fi­le für Pro­sumen­ten in Ver­bin­dung mit einer, allen Akteu­ren zur Ver­fü­gung ste­hen­den Infor­ma­ti­ons­in­fra­struk­tur, ein digi­ta­ler Netz­an­schluss mit zuge­hö­ri­gem intel­li­gen­ten Mess­sys­tem sowie auto­no­me, loka­le Ener­gie­ma­nage­ment­sys­te­me in Gebäu­den, Quar­tie­ren und pri­va­ten Area­len (z.B. Indus­trie, Flug­hä­fen). Dazu gehört aber auch die Ein­füh­rung neu­er, inno­va­ti­ver Ver­mark­tungs­for­men in Ver­bin­dung mit Büro­kra­tie und über­mä­ßi­gen Berichtspflichten.

Schluss­end­lich ver­langt der zuneh­men­de Grad der digi­ta­len Ver­net­zung die Nut­zung einer siche­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur für Mess- und Steue­rungs­pro­zes­se. Die­se Infra­struk­tur liegt mit dem intel­li­gen­ten Mess­sys­tem und der zuge­hö­ri­gen Gate­way-Admi­nis­tra­ti­on sowie wei­te­rer Infra­struk­tur­kom­po­nen­ten der Netz­be­trei­ber vor. Die Umset­zung von Smart Meter­ing wur­de dabei in einem sehr hohen Grad vom Rechts­sys­tem detail­liert vor­ge­dacht. Dies führt zu Ein­schrän­kun­gen bei der Umsetz­bar­keit von Inno­va­tio­nen. Eben­so bestehen Kon­flik­te mit inter­na­tio­na­len Nor­men, die die Wett­be­werbs­fä­hig­keit natio­na­ler Unter­neh­men im inter­na­tio­na­len Umfeld behin­dern können.

Inso­fern wird emp­foh­len, dass der Gesetz­ge­ber sich auf all­ge­mei­ne Schutz­an­for­de­run­gen zur Gewähr­leis­tung grund­le­gen­der Rechts­prin­zi­pen und Schutz­rech­te (z. B. Daten­schutz, Daten­si­cher­heit, Schutz kri­ti­scher Infra­struk­tu­ren, Schutz des Wett­be­werbs) zurück­zieht. Es wer­den somit Inno­va­ti­ons­im­pul­se statt Detail­re­gu­lie­rung gefor­dert. Der Indus­trie soll­te die Umset­zung der Anfor­de­run­gen auf Grund­la­ge einer euro­päi­schen und inter­na­tio­na­len nor­ma­ti­vem Basis über­las­sen wer­den. Dabei ist Regu­lie­rung dahin­ge­hend aus­zu­rich­ten, dass Inno­va­tio­nen und tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen beför­dert und nicht durch eine zu star­re tech­ni­sche Detail­re­gu­lie­rung gehemmt werden.
Lei­men, den 15. Okto­ber 2020

Andre­as Kieß­ling, ener­gy design

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