Empfehlungen zur EEG- und EnWG-Novelle

Autonomie hinter dem Netzanschluss und Innovationen zulassende Regeln für Zusammenwirken in Energiegemeinschaften, Märkten und Netzen

Empfehlungen zur EEG- und EnWG-Novelle
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Inhaltsverzeichnis

  1. Vor­wort — Dampf­ma­schi­ne im Cyber War
  2. Zusam­men­fas­sung — Inno­va­ti­ons­im­pul­se statt Detailregulierung
  3. Emp­feh­lun­gen zur EEG- und EnWG-Novel­le — Auto­no­mie hin­ter dem Netzanschluss
  4. Trei­ber der Energiewende
  5. Stan­dards sind Bin­de­glied zwi­schen Inno­va­ti­on und Sicher­heit — Gestal­tungs­ebe­nen wirt­schaft­li­cher Entwicklung
  6. Eigen­ver­sor­gung und Energiegemeinschaften
  7. Emp­feh­lun­gen für die Schnitt­stel­le zum Prosumenten
  8. C/sells-Posi­ti­on zum Stu­fen­mo­dell des BMWI zur Wei­ter­ent­wick­lung von Stan­dards für die Digi­ta­li­sie­rung der Energiewende
  9. Tech­ni­sche Detail­re­gu­lie­rung im EEG unter Blick­win­kel der Abgren­zung von Rechts­sys­tem, nor­ma­ti­ver Basis und Innovation

Empfehlungen zur EEG- und EnWG-Novelle

Auto­no­mie hin­ter dem Netz­an­schluss und Inno­va­tio­nen zulas­sen­de Regeln für Zusam­men­wir­ken in Ener­gie­ge­mein­schaf­ten, Märk­ten und Netzen

Beteiligung als Schlüssel zum Erfolg der Energiewende

Betei­li­gung ist der Schlüs­sel zum Erfolg der Ener­gie­wen­de. Dabei umfasst die­ser Begriff nicht nur Mit­spra­che. Er beschreibt auch Eigen­ge­stal­tung, gemein­schaft­li­ches Wir­ken sowie die Neu­be­stim­mung des Ver­hält­nis­ses loka­ler, regio­na­ler und glo­ba­ler For­men von Ener­gie­zu­grif­fe. Ener­gie ist Grund­la­ge des Lebens und viel­fäl­tig nutz­ba­re Res­sour­ce der Wert­schöp­fung. In die­sem Sin­ne wer­den Emp­feh­lun­gen zur EEG- und EnWG-Novel­le gegeben.

Der Nut­zen einer umfas­sen­den Aus­prä­gung von Betei­li­gungs­for­men ist wich­ti­ge Erkennt­nis im Rah­men des vom BMWi geför­der­ten Pro­gram­mes „Schau­fens­ter intel­li­gen­te Ener­gie – SINTEG“.

Zur ent­spre­chen­den Erwei­te­rung der Hand­lungs­spiel­räu­me von Pri­vat­per­so­nen ver­ab­schie­de­te die Euro­päi­sche Uni­on Richt­li­ni­en zu Erneu­er­ba­rer Ener­gie und zum Elektrizitätsmarkt.

Dabei spie­len die Begrif­fe Eigen­ver­brauch und gemein­schaft­li­cher Eigen­ver­brauch sowie Bür­ger­ge­mein­schaftund Erneu­er­ba­re Ener­gie­ge­mein­schaft eine zen­tra­le Rolle.

Bür­ger und klei­ne Unter­neh­men sol­len in die Lage ver­setzt wer­den, sich selbst zu ver­sor­gen, aber auch Ener­gie­ge­mein­schaf­ten zu grün­den. Mit der Beför­de­rung des gemein­schaft­li­chen Eigen­ver­brau­ches und von Ener­gie­ge­mein­schaf­ten in räum­li­cher Nähe wer­den die Gren­zen eige­ner Anla­gen als auch zuge­hö­ri­ger Gebäu­de überschritten.

Unter die­sem Blick­win­kel umfas­sen weder die Vor­schlä­ge der Bun­des­netz­agen­tur zur Inte­gra­ti­on der Pro­sumen­ten noch die EEG-Novel­le aus­rei­chend die not­wen­di­gen Folgerungen.

EEG-Entwurf und C/sells-Empfehlungen

So schränkt § 3 Nr. 16 zum EEG-Ent­wurf auf die unmit­tel­ba­re räum­li­che Nähe ohne Durch­lei­tung durch ein Netz ein, womit wei­ter­hin der direk­te Anla­gen­be­zug im eige­nen Gebäu­de adres­siert wird. Dazu for­mu­liert auch § 3 Nr. 19 die Eigen­ver­sor­gung als Ver­brauch von Strom, den natür­li­che oder juris­ti­sche Per­so­nen im unmit­tel­ba­ren räum­li­chen Zusam­men­hang mit der Strom­erzeu­gungs­an­la­ge selbst ver­brau­chen, wenn der Strom nicht durch ein Netz durch­ge­lei­tet wird und eine Per­son die Strom­erzeu­gungs­an­la­ge selbst betreibt.

Abseits von Eigen­ver­brauch und Mie­ter­strom feh­len Neu­re­ge­lun­gen zum gemein­schaft­li­chen Eigen­ver­brauch meh­re­rer Eigen­tü­mer sowie zu Ener­gie­ge­mein­schaf­ten, die das öffent­li­che Netz nut­zen. Die fol­gen­den Vor­schlä­ge des Ver­ban­des für Wär­me­lie­fe­rung (VfW) adres­sie­ren die­se Ziele.

  • 3 Nr. 16 EEG‑E: „Direkt­ver­mark­tung“ die Ver­äu­ße­rung von Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gien an Drit­te, es sei denn, der Strom wird im räum­li­chen Zusam­men­hang zur Anla­ge verbraucht
  • 3 Nr. 19 EEG‑E: „Eigen­ver­sor­gung“ der Ver­brauch von Strom, den eine Per­so­nen­ge­mein­schaft oder eine oder meh­re­re natür­li­che oder juris­ti­sche Per­so­nen im räum­li­chen Zusam­men­hang mit der Strom­erzeu­gungs­an­la­ge selbst ver­braucht, wenn die­se Per­so­nen­ge­mein­schaft oder eine Per­son aus die­ser Per­so­nen­ge­mein­schaft allei­ne oder gemein­sam die Strom­erzeu­gungs­an­la­ge selbst betreiben

Die Umset­zung der EU-Richt­li­ni­en ist sowohl im EEG als auch in einer EnWG-Novel­le zu adressieren.

Die ein­schrän­ken­den For­mu­lie­run­gen auf den Eigen­ver­brauch ohne Durch­lei­tung durch ein Netz sind auch den Vor­schlä­gen der Bun­des­netz­agen­tur zur Inte­gra­ti­on von Pro­sumen­ten zu entnehmen.

Auf Basis der Ziel­stel­lun­gen zur Par­ti­zi­pa­ti­on und der EU-Richt­li­ni­en schlägt C/sells dage­gen fol­gen­de Maß­nah­men vor.

  • För­de­rung auto­no­mer, loka­ler Ener­gie­ma­nage­ment­sys­te­me als Grund­la­ge von Eigen­ver­brauch und Energiegemeinschaften
  • Spe­zi­fi­ka­ti­on eines digi­ta­len Netz­an­schlus­ses von Gebäu­den mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zu­gang, intel­li­gen­tem Mess­sys­tem und Leis­tungs­steue­rung am Netzanschluss
  • Ersatz bis­he­ri­ger Stan­dard­last­pro­fi­le durch öffent­lich in Infor­ma­ti­ons­kom­po­nen­ten bereit­ge­stell­te Stan­dard-Pro­sumen­ten­pro­fi­le an Netzanschlüssen
  • För­de­rung von Platt­for­men für Ener­gie­ge­mein­schaf­ten sowie Gestal­tung von Rah­men­be­din­gun­gen für eine ver­ein­fach­te Direkt­ver­mark­tung unter Abbau von Büro­kra­tie, Berichts­pflich­ten und Umla­gen für Anla­gen klei­ner 30 kW

För­de­rung von Inno­va­tio­nen statt Begren­zung durch Detailregulierung

Eigen­ver­brauch und Ener­gie­ge­mein­schaf­ten im Bereich der Gebäu­de unter­stüt­zen die Errei­chung des CO2-Zie­les stär­ker als der Fokus auf Wär­me­däm­mung. Von 2010 bis 2018 flos­sen ins­ge­samt 496 Mil­li­ar­den Euro in die ener­ge­ti­sche Gebäu­de­sa­nie­rung, wobei der Effekt auf die Kli­ma­zie­le nicht direkt bestimm­bar ist. Emp­feh­lun­gen zur EEG- und EnWG-Novel­le lau­ten, stär­ker den Rah­men für Eigen­ver­brauch und Ener­gie­ge­mein­schaf­ten in Ver­bin­dung mit loka­len Ener­gie­ma­nage­ment­sys­te­men in Gebäu­den zu gestalten.

Die digi­ta­le Ver­net­zung von Ener­gie­lö­sun­gen und Manage­ment­sys­te­men in Gebäu­den sowie am Gebäu­de­n­etz­an­schluss erfor­dert eine siche­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur für Mess- und Steue­rungs­pro­zes­se. Die Umset­zung intel­li­gen­ter Mess­sys­tem und der zuge­hö­ri­gen Gate­way-Admi­nis­tra­ti­on zeig­te in der Pra­xis viel­fäl­ti­ge tech­ni­sche Her­aus­for­de­run­gen. Deren Beherr­schung kann nicht pri­mär im Rechts­sys­tem mit einer trä­gen tech­ni­schen Detail­re­gu­lie­rung detail­liert vor­ge­dacht werden.

Tech­ni­sche Lösun­gen soll­ten des­halb der Gestal­tungs­kraft der Gesell­schaft auf Grund­la­ge einer euro­päi­schen und inter­na­tio­na­len nor­ma­ti­vem Basis über­las­sen werden.

Wei­ter­hin zeig­te sich der Bedarf zur För­de­rung einer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur an den Netz­an­schlüs­sen der Gebäu­de. Aktu­ell feh­len ins­be­son­de­re im Alt­bau oft die not­wen­di­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zu­gän­ge sowie im Gebäu­de die zuge­hö­ri­ge kom­mu­ni­ka­ti­ve Ver­net­zung mit den Ener­gie­an­la­gen und Geräten.

Flan­kie­ren­de För­der­pro­gram­me für Gebäu­de­be­sit­zer müs­sen des­halb dar­auf fokus­sie­ren, im Alt­bau die Ertüch­ti­gung des elek­tro­tech­ni­schen Bestan­des, aber auch der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur im Zusam­men­hang mit Breit­band­aus­bau zu errei­chen. Dies betrifft eben­so beim Neu­bau die För­de­rung ent­spre­chen­der Lösun­gen im Pla­nungs­pro­zess. Dabei soll­te im Rah­men des digi­ta­len Netz­an­schlus­ses die Instal­la­ti­on intel­li­gen­ter Mess­sys­te­me pri­mär bezo­gen auf das Gebäu­de am Netz­an­schluss und nicht, wie im EEG for­mu­liert, vor­ran­gig bezo­gen auf Ein­zel­an­la­gen erfolgen.

Ohne Ertüch­ti­gung der exter­nen und inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge der Gebäu­de kön­nen loka­les Ener­gie­ma­nage­ment sowie Ein­bin­dung in Ener­gie­ge­mein­schaf­ten und exter­ne Märk­te nicht erfolg­reich sein. Dabei ist der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zu för­dern, ohne des­sen Inves­ti­tio­nen der not­wen­di­ge Zubau Erneu­er­ba­rer Ener­gie in Gebäu­den nicht zu errei­chen ist. Eine Umschich­tung aus Mit­teln der Gebäu­de­däm­mung scheint dazu sinnvoll.


Lei­men, den 20. Okto­ber 2020

Andre­as Kieß­ling, ener­gy design

Andreas Kießling
Über Andreas Kießling 59 Artikel
Andreas Kießling hat in Dresden Physik studiert und lebt im Raum Heidelberg. Er beteiligt sich als Freiberufler und Autor an der Gestaltung nachhaltiger Lebensräume und zugehöriger Energiekreisläufe. Dies betrifft Themen zu erneuerbaren und dezentral organisierten Energien. Veröffentlichungen als auch die Aktivitäten zur Beratung, zum Projektmanagement und zur Lehre dienen der Gestaltung von Energietechnologie, Energiepolitik und Energieökonomie mit regionalen und lokalen Chancen der Raumentwicklung in einer globalisierten Welt.

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