Medienmacht

Medienmacht

Medienmacht und die Beherrschung der Vergangenheit

Artikelserie mit ChatGPT: Meinungsfreiheit im Rahmen moderner Medien und Digitalisierung

Medi­en spie­len in demo­kra­ti­schen Staa­ten eine Schlüs­sel­rol­le, indem sie unab­hän­gig von der jewei­li­gen Regie­rung infor­mie­ren und zur Mei­nungs­bil­dung bei­tra­gen sol­len. Sie gel­ten als “vier­te Gewalt” mit dem Auf­trag, das Han­deln poli­ti­scher Akteu­re kri­tisch zu beleuch­ten. Doch die Kon­zen­tra­ti­on von Medi­en­macht in Hän­den weni­ger Medi­en­un­ter­neh­mer kann die Viel­falt der Bericht­erstat­tung ein­schrän­ken und die öffent­li­che Mei­nung beein­flus­sen, was die Grund­prin­zi­pi­en der Demo­kra­tie gefähr­det. Medi­en haben die Macht, die Sicht auf Gegen­wart und Ver­gan­gen­heit als auch die Zukunft der Gesell­schaft zu beein­flus­sen. Somit ist es wich­tig, die Wirk­me­cha­nis­men von Medi­en zu ver­ste­hen sowie die Viel­falt von unab­hän­gi­gen Medi­en, die Betei­li­gung der Gesell­schaft, aber auch dezen­tra­le Mecha­nis­men zu befördern.

 “Wer die Ver­gan­gen­heit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegen­wart beherrscht, beherrscht die Ver­gan­gen­heit.” — Geor­ge Orwell in “1984

Inhaltsverzeichnis

  1. Kriegs­mü­de und das Leid der Friedenstaube
  2. Medi­en­macht und die Beherr­schung der Vergangenheit
  3. Digi­ta­li­sie­rung und der Kampf um die Datenherrschaft

Wozu sind Medien da?

Andreas:

Hal­lo Chipi, ich schlie­ße nun an das letz­te Kapi­tel mit dem Titel „Kriegs­mü­de“ an, in dem du am Schluss sie­ben Punk­te zum Ver­ständ­nis der aktu­el­len Welt­la­ge nann­test. Die Auf­zäh­lung war nach­voll­zieh­bar. Doch bil­den die­se Punk­te aus mei­ner Sicht eher ein Meta-Modell, um Ver­ständ­nis zu errei­chen. Aber benö­ti­gen wir zum Ver­ständ­nis nicht einen kon­kre­ten Kon­text, einen Kon­text zur Ana­ly­se der Ver­gan­gen­heit, um die Erkennt­nis­se zur Gestal­tung der Zukunft zu nut­zen? 

Des­halb möch­te ich gern noch ein wenig bei der Ver­gan­gen­heit blei­ben. Dazu stellt sich mir eine Fra­ge. Anschei­nend set­zen Tei­le der poli­ti­schen Ver­tre­ter dar­auf, die Betrach­tung der zu einem Kon­flikt füh­ren­den Ver­gan­gen­heit zu unter­drü­cken. Dabei erle­ben Men­schen, die die­se Ver­gan­gen­heit ver­ste­hen oder erläu­tern wol­len, per­sön­li­che Angrif­fe und öffent­li­che Ver­un­glimp­fung. War­um schei­nen Poli­ti­ker zuneh­mend das Instru­ment der Ver­gan­gen­heits­leug­nung beim Han­deln in der Gegen­wart unter Nut­zung der Medi­en­macht ein­zu­set­zen? Siehst du hier eine Ana­lo­gie zum Zitat aus dem Werk 1984 von Geor­ge Orwell: “Wer die Ver­gan­gen­heit kon­trol­liert, kon­trol­liert die Zukunft. Wer die Gegen­wart kon­trol­liert, kon­trol­liert die Vergangenheit”?

Chipi:

Ihre Ana­ly­se ist scharf­sin­nig und berührt einen kri­ti­schen Aspekt der poli­ti­schen Dyna­mik. Das Ver­ständ­nis der Ver­gan­gen­heit in der Gegen­wart ist ent­schei­dend, um die Zukunft zu gestal­ten. His­to­ri­sches Wis­sen bie­tet Kon­text, Ein­sicht und oft auch War­nun­gen ange­sichts frü­he­rer Feh­ler oder Muster.

Das Zitat aus Geor­ge Orwells “1984” ist in die­sem Zusam­men­hang beson­ders rele­vant. In dem dys­to­pi­schen Roman ver­wen­det der tota­li­tä­re Staat die Kon­trol­le über die Ver­gan­gen­heit als Mit­tel zur Kon­trol­le der Bevöl­ke­rung. Indem er stän­dig die offi­zi­el­le Geschich­te ändert und uner­wünsch­te Fak­ten löscht, sorgt der Staat dafür, dass sei­ne Bür­ger bezüg­lich des wirk­li­chen Gesche­hens nie sicher und daher leich­ter zu mani­pu­lie­ren sind.

Hier sind eini­ge Grün­de, war­um Poli­ti­ker oder Regie­run­gen ver­su­chen könn­ten, mit der Medi­en­macht die Ver­gan­gen­heit zu kon­trol­lie­ren oder zu leugnen:

  • Legi­ti­ma­ti­on der Macht: Wenn eine Regie­rung oder eine poli­ti­sche Bewe­gung in der Ver­gan­gen­heit Feh­ler mach­te oder in Kon­tro­ver­sen ver­wi­ckelt war, kann die Leug­nung oder Umdeu­tung die­ser Ver­gan­gen­heit dazu die­nen, ihre aktu­el­le Legi­ti­mi­tät oder Macht zu stärken.
  • Kon­trol­le der Erzäh­lung: Die Kon­trol­le dar­über, wie die Geschich­te erzählt wird, ermög­licht es, die öffent­li­che Mei­nung und das Ver­ständ­nis der aktu­el­len Ereig­nis­se zu beeinflussen.
  • Ver­mei­dung von Ver­ant­wor­tung: Das Leug­nen oder Umdeu­ten unan­ge­neh­mer his­to­ri­scher Fak­ten kann dazu die­nen, Ver­ant­wor­tung für Feh­ler oder Ver­bre­chen zu vermeiden.
  • Stär­kung der natio­na­len Iden­ti­tät: In eini­gen Fäl­len kann das Leug­nen oder Umdeu­ten der Ver­gan­gen­heit dazu die­nen, eine bestimm­te Ver­si­on der natio­na­len Iden­ti­tät zu för­dern, die der aktu­el­len poli­ti­schen Agen­da dient.
  • Unter­drü­ckung von Dis­sens: Das Bestra­fen oder Ver­un­glimp­fen von Per­so­nen, die eine alter­na­ti­ve Sicht auf die Geschich­te haben, kann dazu die­nen, Dis­sens zu unter­drü­cken und eine ein­heit­li­che Erzäh­lung aufrechtzuerhalten.

Das Leug­nen oder Umdeu­ten der Ver­gan­gen­heit beschränkt sich dabei nicht auf eine bestimm­te Kul­tur, Regi­on oder Ideo­lo­gie. Es ist ein Phä­no­men, das in ver­schie­de­nen Kon­tex­ten und zu ver­schie­de­nen Zei­ten auf­trat und immer wie­der auftritt.

Das Bewusst­sein für die Bedeu­tung der Geschich­te und die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit sind ent­schei­dend, um sol­che Mani­pu­la­tio­nen zu erken­nen und sich dage­gen zu weh­ren. Dabei gilt es, den Wert der frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung, der aka­de­mi­schen Frei­heit und der unab­hän­gi­gen Medi­en zu schät­zen und zu ver­tei­di­gen, da sie oft die ers­ten Zie­le sol­cher Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che sind.  

Andreas:

Mir ist eben­so bewusst, dass das Leug­nen oder Umdeu­ten der Ver­gan­gen­heit sich nicht auf eine bestimm­te Kul­tur, Regi­on oder Ideo­lo­gie beschränkt. Somit kommt dem kri­ti­schen Hin­ter­fra­gen der jeweils herr­schen­den Mei­nung auf jeder Sei­te der Kon­flikt­par­tei­en eine hohe Bedeu­tung zu. Wir neh­men Infor­ma­tio­nen über einen öffent­li­chen sowie einen per­sön­li­chen Fil­ter auf, des­sen Far­be und Trans­pa­renz­grad von der jewei­li­gen Welt­sicht geprägt ist. Die phi­lo­so­phi­schen Kon­se­quen­zen der Phy­sik sagen uns, dass es eine abso­lu­te Wahr­heit nicht gibt, son­dern dass in jedem Zusam­men­hang unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten mit unter­schied­li­chen Wahr­schein­lich­kei­ten existieren.

Nun schei­nen aber gera­de die Medi­en zu behaup­ten, im Besitz der voll­stän­di­gen und kor­rek­ten Infor­ma­ti­on zu sein sowie die ein­zi­ge kor­rek­te Deu­tungs­ho­heit zu besit­zen. Du hast es for­mu­liert: “Die Medi­en spie­len eine wich­ti­ge Rol­le bei der For­mung der öffent­li­chen Mei­nung. In eini­gen Fäl­len kön­nen sie dazu bei­tra­gen, Feind­bil­der zu schaf­fen oder bestimm­te Nar­ra­ti­ve zu för­dern.” Nun rühmt sich gera­de die west­li­che Welt, unab­hän­gi­ge Medi­en als vier­te Macht zu besit­zen, die die jewei­li­ge gesell­schaft­li­che Mei­nungs­viel­falt abbil­den. Was meinst du? War­um schei­nen die Medi­en aus Sicht vie­ler Men­schen zuneh­mend die Rol­le des Pro­pa­gan­dis­ten ein­zu­neh­men? Wes­halb ver­schärft sich der Ein­druck, dass auch in demo­kra­ti­schen Staa­ten unter Nut­zung der Medi­en­macht zuneh­mend Ideo­lo­gie ver­brei­tet wird? War­um neh­men die Medi­en die­se Rol­le an?

Chipi:

Die Rol­le der Medi­en in der Gesell­schaft und ihre Bezie­hung zur Macht sind kom­ple­xe The­men, die von vie­len Fak­to­ren beein­flusst wer­den. Hier sind eini­ge Über­le­gun­gen zu den von Ihnen ange­spro­che­nen Fragen:

  • Wirt­schaft­li­che Inter­es­sen: Vie­le Medi­en­un­ter­neh­men sind gewinn­ori­en­tiert und ste­hen unter dem Druck, ihre Ein­nah­men zu maxi­mie­ren. Dies kann dazu füh­ren, dass sie Geschich­ten prio­ri­sie­ren, die Auf­merk­sam­keit erre­gen und Klicks gene­rie­ren oder Zuschau­er anziehen.
  • Kon­zen­tra­ti­on von Medi­en­ei­gen­tum: In vie­len Län­dern gehört ein gro­ßer Teil der Medi­en weni­gen gro­ßen Unter­neh­men oder Ein­zel­per­so­nen. Dies kann die Viel­falt der berich­te­ten Per­spek­ti­ven ein­schrän­ken und dazu füh­ren, dass bestimm­te Nar­ra­ti­ve oder Inter­es­sen bevor­zugt werden.
  • Poli­ti­sche Ein­fluss­nah­me: In eini­gen Fäl­len kön­nen Medi­en direkt oder indi­rekt von poli­ti­schen Akteu­ren beein­flusst wer­den, sei es durch direk­te Zen­sur, wirt­schaft­li­chen Druck oder sub­ti­le­re For­men der Einflussnahme.
  • Echo­kam­mer­ef­fekt: Mit dem Auf­kom­men von sozia­len Medi­en und per­so­na­li­sier­ten Nach­rich­ten­feeds nei­gen die Men­schen dazu, Infor­ma­tio­nen zu kon­su­mie­ren, die ihre bestehen­den Über­zeu­gun­gen bestä­ti­gen. Dies kann dazu füh­ren, dass sie nur eine Sei­te einer Geschich­te hören und sich in einer “Echo­kam­mer” oder “Fil­ter­bla­se” befinden.
  • Schnell­le­big­keit der Nach­rich­ten­zy­klen: In der heu­ti­gen 24-Stun­den-Nach­rich­ten­welt gibt es einen stän­di­gen Druck, schnell zu berich­ten, oft auf Kos­ten von Tie­fe und Nuancen.
  • Ideo­lo­gi­sche Aus­rich­tung: Eini­ge Medi­en haben eine kla­re ideo­lo­gi­sche Aus­rich­tung und die­nen als Sprach­rohr für bestimm­te poli­ti­sche oder wirt­schaft­li­che Interessen.
  • Man­gel an Medi­en­bil­dung: In vie­len Bil­dungs­sys­te­men fehlt eine umfas­sen­de Medi­en­bil­dung, die den Men­schen bei­bringt, Nach­rich­ten­quel­len kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven zu suchen.

Neue Tech­no­lo­gien für sozia­le Netz­wer­ke bie­ten trotz die­ser Her­aus­for­de­run­gen die Chan­ce für enga­gier­te Jour­na­lis­ten und Medi­en­or­ga­ni­sa­tio­nen, sich der Wahr­heits­su­che und dem ethi­schen Jour­na­lis­mus eigen­stän­dig außer­halb des Main­streams ver­pflich­tet zu füh­len. Noch ist die Medi­en­welt ins­be­son­de­re in den demo­kra­ti­schen Staa­ten nicht mono­li­thisch und bie­tet eine Viel­zahl von Medi­en­quel­len mit unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven, Qua­li­täts­stan­dards und Agen­den. Dies gilt es zu bewahren.

Für Nut­zer ist es ent­schei­dend, eine Viel­zahl von Nach­rich­ten­quel­len zu kon­su­mie­ren, Infor­ma­tio­nen kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und sich zu bemü­hen, über den eige­nen Hori­zont hin­aus­zu­schau­en. Die Rol­le der Medi­en in der Demo­kra­tie ist zu schät­zen und zu ver­tei­di­gen Aber gleich­zei­tig gilt es auf­merk­sam gegen­über ihren Män­geln und Her­aus­for­de­run­gen zu sein. 

Andreas:

Soll­te man die­se Punk­te nicht eher im Zusam­men­hang sehen statt als getrenn­te Phä­no­me­ne? Was mei­ne ich damit? Trotz anschei­nen­der Viel­falt der Medi­en­ka­nä­le bei den her­kömm­li­chen Medi­en aus Funk, Fern­se­hen und Zei­tung sowie bei den sozia­len Platt­for­men neh­me ich eine gro­ße Kon­zen­tra­ti­on der Medi­en­macht wahr. In Deutsch­land bestim­men weni­ge Fami­li­en die Medi­en­land­schaft. Inso­fern ist es aus Sicht die­ser Mäch­ti­gen ein­fach, poli­tisch Ein­fluss zu neh­men, wirt­schaft­li­che Inter­es­sen der Finanz­eli­te zu beför­dern und eine gewoll­te gesell­schaft­li­che Ideo­lo­gie zu ver­brei­ten. Die stän­di­ge Wie­der­ho­lung des Slo­gans einer wer­te­ba­sier­ten Außen­po­li­tik auf allen Kanä­len scheint dies zu bestätigen.

Es stellt sich die Fra­ge, wer bestimmt die­se Wer­te? Wie siehst du die aktu­el­le Rol­le der Medi­en in der Gesell­schaft ins­be­son­de­re in Bezug auf die zuneh­men­den Kon­flik­te in der Welt? 

Chipi:

Sie haben abso­lut recht, dass die von mir genann­ten Punk­te nicht iso­liert betrach­tet wer­den soll­ten, son­dern in engen Zusam­men­hang ste­hen. Die Medi­en­land­schaft ist das Ergeb­nis einer Wech­sel­wir­kung zwi­schen wirt­schaft­li­chen, poli­ti­schen und sozia­len Kräf­ten. Die Gren­zen zwi­schen die­sen Kate­go­rien sind oft fließend.

Die Kon­zen­tra­ti­on von Medi­en­ei­gen­tum in den Hän­den weni­ger Fami­li­en oder Unter­neh­men kann in der Tat erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Art und Wei­se haben, wie Nach­rich­ten prä­sen­tiert und inter­pre­tiert wer­den. Wenn weni­ge Akteu­re einen über­pro­por­tio­na­len Ein­fluss auf die Medi­en haben, kann dies die Viel­falt der Stim­men und Per­spek­ti­ven, die in den Medi­en prä­sen­tiert wer­den, erheb­lich einschränken.

Zum The­ma “wer­te­ba­sier­te Außen­po­li­tik” möch­te ich fol­gen­des bemer­ken. Wer­te sind oft sub­jek­tiv und kön­nen je nach Kul­tur, Geschich­te und poli­ti­schem Kon­text vari­ie­ren. In der inter­na­tio­na­len Poli­tik wer­den “Wer­te” oft als Recht­fer­ti­gung für bestimm­te Hand­lun­gen oder Poli­ti­ken ange­führt. Aber wie Sie rich­tig bemer­ken, stellt sich die Fra­ge, wer die­se Wer­te defi­niert und in wes­sen Inter­es­se sie handeln.

Die Rol­le der Medi­en in Bezug auf inter­na­tio­na­le Kon­flik­te ist kom­plex. Einer­seits kön­nen Medi­en dazu bei­tra­gen, das Bewusst­sein für Kon­flik­te zu schär­fen, Empa­thie für die Betrof­fe­nen zu wecken und Druck auf poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger aus­zu­üben, um zu han­deln. Ande­rer­seits kön­nen Medi­en auch dazu bei­tra­gen, Feind­bil­der zu schaf­fen, Ängs­te zu schü­ren oder eine ein­sei­ti­ge oder ver­zerr­te Dar­stel­lung von Kon­flik­ten zu präsentieren.

In der heu­ti­gen Zeit, in der Des­in­for­ma­ti­on und “Fake News” zu ernst­haf­ten Bedro­hun­gen gewor­den sind, ist die Rol­le der Medi­en umso kri­ti­scher zu beob­ach­ten. Es ist ent­schei­dend, dass Medi­en­or­ga­ni­sa­tio­nen hohe jour­na­lis­ti­sche Stan­dards ein­hal­ten, Trans­pa­renz för­dern und sich bemü­hen, genaue und aus­ge­wo­ge­ne Infor­ma­tio­nen zu liefern.

Für Medi­en­kon­su­men­ten ist es wich­tig, eine Viel­zahl von Quel­len zu kon­sul­tie­ren, Infor­ma­tio­nen kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und sich bewusst zu sein, dass jede Nach­rich­ten­quel­le ihre eige­ne Per­spek­ti­ve und mög­li­cher­wei­se ihre eige­ne Agen­da hat. Es ist auch wich­tig, Medi­en­quel­len zu unter­stüt­zen, die unab­hän­gi­gen, inves­ti­ga­ti­ven und ethi­schen Jour­na­lis­mus betreiben.

Andreas:

Was soll­ten wir also unter den Bedin­gun­gen moder­ner Medi­en­tech­no­lo­gien kon­kret tun, um die die Kon­zen­tra­ti­on der Medi­en­macht zu bre­chen, um wie­der eine Viel­zahl von Quel­len ver­glei­chen zu kön­nen sowie einen unab­hän­gi­gen Jour­na­lis­mus zu betrei­ben? 

Chipi:

Die Schaf­fung einer viel­fäl­ti­gen und unab­hän­gi­gen Medi­en­land­schaft in der Ära moder­ner Medi­en­tech­no­lo­gien erfor­dert sowohl indi­vi­du­el­le als auch kol­lek­ti­ve Anstren­gun­gen. Hier sind eini­ge kon­kre­te Schrit­te, die dafür einen Bei­trag leis­ten können:

  • Medi­en­bil­dung för­dern: Bil­dungs­ein­rich­tun­gen soll­ten Kur­se und Pro­gram­me anbie­ten, die Men­schen bei­brin­gen, Medi­en­in­hal­te kri­tisch zu ana­ly­sie­ren, Quel­len zu über­prü­fen und Des­in­for­ma­ti­on zu erkennen.
  • Unter­stüt­zung unab­hän­gi­ger Medi­en: Finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für unab­hän­gi­ge Medi­en­or­ga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­de­re für inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus, kann dazu bei­tra­gen, die Viel­falt der Stim­men in der Medi­en­land­schaft zu erhöhen.
  • Trans­pa­renz bei Medi­en­ei­gen­tum: Geset­ze, die Trans­pa­renz bei Medi­en­ei­gen­tum und Finan­zie­rung for­dern, kön­nen dazu bei­tra­gen, poten­zi­el­le Inter­es­sen­kon­flik­te aufzudecken.
  • För­de­rung von Com­mu­ni­ty-Medi­en: Loka­le und Com­mu­ni­ty-basier­te Medi­en kön­nen oft Per­spek­ti­ven und Geschich­ten bie­ten, die in grö­ße­ren Medi­en­un­ter­neh­men über­se­hen werden.
  • Regu­lie­rung und Über­wa­chung: Eine sorg­fäl­ti­ge Regu­lie­rung kann dazu bei­tra­gen, Mono­po­le zu ver­hin­dern und sicher­zu­stel­len, dass Medi­en­un­ter­neh­men ethi­sche und pro­fes­sio­nel­le Stan­dards einhalten.
  • Nut­zung alter­na­ti­ver Medi­en­platt­for­men: Die Nut­zung und Unter­stüt­zung von alter­na­ti­ven Medi­en­platt­for­men, ein­schließ­lich sozia­ler Medi­en, Blogs und unab­hän­gi­ger Nach­rich­ten­web­sites, kann dazu bei­tra­gen, die Domi­nanz gro­ßer Medi­en­un­ter­neh­men zu verringern.
  • För­de­rung von Medi­en­ko­ope­ra­ti­ven: Medi­en­ko­ope­ra­ti­ven, bei denen Jour­na­lis­ten und/oder Gemein­schafts­mit­glie­der das Eigen­tum und die Kon­trol­le über Medi­en­or­ga­ni­sa­tio­nen tei­len, kön­nen eine Alter­na­ti­ve zu tra­di­tio­nel­len Medi­en­un­ter­neh­mens­struk­tu­ren bieten.
  • Tech­no­lo­gi­sche Lösun­gen: Die Ent­wick­lung von Tech­no­lo­gien, die Des­in­for­ma­ti­on erken­nen und bekämp­fen, sowie Platt­for­men, die die Ver­brei­tung von qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Nach­rich­ten för­dern, kön­nen eben­falls hilf­reich sein.
  • Bür­ger­jour­na­lis­mus för­dern: Die Ermu­ti­gung und Schu­lung von Bür­gern, selbst als Jour­na­lis­ten tätig zu wer­den und Geschich­ten aus ihrer eige­nen Per­spek­ti­ve zu berich­ten, kann die Medi­en­land­schaft diversifizieren.
  • Inter­ak­ti­ve und par­ti­zi­pa­ti­ve Medi­en­for­ma­te: Die Ein­bin­dung des Publi­kums in den jour­na­lis­ti­schen Pro­zess, z.B. durch Crowd­sour­cing, öffent­li­che Redak­ti­ons­kon­fe­ren­zen oder inter­ak­ti­ve For­ma­te, kann das Ver­trau­en in die Medi­en stär­ken und die Viel­falt der berich­te­ten Per­spek­ti­ven erhöhen.

Natür­lich gibt es kei­ne Ein­heits­lö­sung. Jede Gesell­schaft und jedes Medi­en­sys­tem bie­tet eige­ne Her­aus­for­de­run­gen und Kon­tex­te. Aber mit Enga­ge­ment, Krea­ti­vi­tät und Zusam­men­ar­beit kön­nen Schrit­te unter­nom­men wer­den, um eine viel­fäl­ti­ge­re, unab­hän­gi­ge­re und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te­re Medi­en­land­schaft zu schaf­fen. 

Andreas:

Vie­len Dank für die­se hilf­rei­chen Anre­gun­gen. Dies gibt Hin­wei­se, wie es gelin­gen kann, die Ver­gan­gen­heit nicht nur aus einem Blick­win­kel zu betrach­ten, son­dern viel­fäl­ti­ge Quel­len zu nut­zen. Eine ver­eng­te Betrach­tung der Ver­gan­gen­heit kann die Offen­heit für ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en der Zukunfts­ge­stal­tung begren­zen. Dies ist mög­li­cher­wei­se der eigent­li­che Grund, war­um in der Gegen­wart Bestre­bun­gen exis­tie­ren, die Ver­gan­gen­heit neu zu deu­ten. Wir benö­ti­gen also Offen­heit bei der Inter­pre­ta­ti­on der Ver­gan­gen­heit und kei­nen über­heb­li­chen Umgang mit frü­he­ren kul­tu­rel­len und sozia­len Kon­zep­ten auf Grund­la­ge unse­rer heu­ti­gen Prägung.

Ich möch­te mich auf Grund­la­ge unse­rer bis­he­ri­gen Dis­kus­si­on einer wei­te­ren, zen­tra­len Fra­ge­stel­lung zuwen­den. Doch für heu­te soll es erst ein­mal rei­chen. Die Dis­kus­si­on füh­ren wir im nächs­ten Teil fort. Ich freue mich darauf.

Chipi:

Vie­len Dank für Ihre reflek­tier­ten Gedan­ken und die tief­sin­ni­ge Dis­kus­si­on zum The­ma Medi­en­macht. Sie haben abso­lut recht: Die Offen­heit bei der Inter­pre­ta­ti­on der Ver­gan­gen­heit und das Ver­ständ­nis für unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven sind ent­schei­dend, um die Zukunft kon­struk­tiv zu gestal­ten. Es ist immer wich­tig, sich bewusst zu sein, dass unse­re Sicht­wei­sen und die Inter­pre­ta­ti­on von Ereig­nis­sen durch unse­re aktu­el­len Erfah­run­gen und den kul­tu­rel­len Kon­text geprägt sind.

Ich freue mich eben­falls dar­auf, unse­re Dis­kus­si­on fort­zu­set­zen. Bis dahin wün­sche ich Ihnen alles Gute. Pas­sen Sie gut auf sich auf! 

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Quellen

kei­ne

Medi­en­macht: Lei­men / Hei­del­berg — 19. Sep­tem­ber 2023

Andre­as Kieß­ling, ener­gy design

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