Beteiligung und Gestaltungsvielfalt

Denkanstoß zur politischen Willensbildung im Kampf gegen den Klimawandel

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Denkanstoß zur politischen Willensbildung im Kampf gegen den Klimawandel

Kli­ma­wan­del, zuneh­men­de Ver­net­zung und eine glo­ba­li­sier­te Welt brin­gen neue Gefah­ren für die siche­re Funk­ti­on der Stadt mit sich. Dies zei­gen Cyber-Angrif­fe wie auch die aktu­el­le Coro­na-Kri­se. Die Stadt der Zukunft kann nicht aut­ark funk­tio­nie­ren. Aber erneu­er­ba­re Ener­gien und Dezen­tra­li­sie­rung ermög­li­chen die Ent­wick­lung auto­no­mer, wider­stands­fä­hi­ger Infra­struk­tu­ren mit regio­na­ler und über­re­gio­na­ler Ver­net­zung. Wir benö­ti­gen somit einen Pro­zess von unten nach oben, der den Wil­len und die Mög­lich­kei­ten der Teil­ha­be am Umbau des Ener­gie­sys­tems von der loka­len Poli­tik bis zur staat­li­chen Poli­tik trägt.

 

Politische Willensbildung

Die Kli­ma­ak­ti­vis­tin bei Fri­days­For­Fu­ture Lui­sa Neu­bau­er sagt: „Wenn poli­ti­scher Wil­le da ist, kann er Ber­ge versetzen.“

Es stellt sich nun die Fra­ge, was die Gesell­schaft aus die­ser Erkennt­nis lernt. Eine per­sön­li­che Schluss­fol­ge­rung for­mu­lier­te ich im April des ers­ten Coro­na-Jah­res in fol­gen­der Wei­se. „Wenn wir ler­nen, wie die zukünf­ti­ge Gesell­schaft durch die Über­nah­me loka­ler und regio­na­ler Gestal­tungs­ho­heit wider­stands­fä­hi­ger zu gestal­ten ist, war die Lek­ti­on durch die Coro­na-Kri­se letzt­end­lich hilf­reich.“ Die Schluss­fol­ge­rung lau­te­te, dass Regio­na­li­tät die Wider­stands­fä­hig­keit der Gesell­schaft stärkt und die Vor­aus­set­zung für Glo­ba­li­sie­rung und damit für ver­bun­de­ne, gerecht zusam­men­wir­ken­de Gesell­schaf­ten bildet.

Eigent­lich müs­sen wir Coro­na dan­ken. Wir erkann­ten, dass ein star­ker Grad an Zen­tra­li­sie­rung Fle­xi­bi­li­tät gefähr­lich redu­ziert. Auch demo­kra­ti­sche und markt­wirt­schaft­li­che Gesell­schaf­ten sind nicht vor zu star­ker Pla­nung und Detail­re­gu­lie­rung geschützt. Es stellt sich aber die Fra­ge, wel­cher poli­ti­scher Wil­le benö­tigt wird, um den Kampf gegen den Kli­ma­wan­del erfolg­reich zu bestehen.

Gesellschaftliche Wege im Kampf gegen den Klimawandel

Zur Beant­wor­tung set­zen wir zuerst den poli­ti­schen Wil­len und das Ziel vor­aus, dem Kli­ma­wan­del mit aller Kraft zu begeg­nen. Bei der Bestim­mung des Weges las­sen sich aber zwei ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tun­gen fest­ge­stel­len. Einer die­ser Wege ist von einem hohen Grad an Zen­tra­li­sie­rung und des staat­li­chen Diri­gis­mus geprägt; ins­be­son­de­re bei der Gestal­tung des zukünf­ti­gen Ener­gie­sys­tems. Der ande­re Weg führt zu einem dezen­tra­len Sys­tem mit hohem Auto­no­mie­grad der loka­len und regio­na­len Gestal­tung, bei gleich­zei­tig ver­binde­nen Regeln und einem zen­tral orga­ni­sier­ten Überbau.

Der Streit um den rich­ti­gen Weg ist nicht neu. Dank dem tech­ni­schen Genie von Edi­son und Tes­la wur­de das elek­tri­sche Ener­gie­sys­tem geschaf­fen. Beim Ziel, die Welt mit Elek­tri­zi­tät zu ver­bes­sern, waren sich die Bei­den einig. Der Streit um Gleich­strom und Wech­sel­strom ent­zwei­te die genia­len Erfin­der. Aber, obwohl Tes­la das Wech­sel­strom­sys­tem erfolg­reich auf den Weg brin­gen konn­te, umfass­te sei­ne eigent­li­che Visi­on kein zen­tra­les Ener­gie­sys­tem. Sein Anlie­gen bestand dar­in, jedem Men­schen an jedem Ort zu ermög­li­chen, Ener­gie zu gewin­nen. Wis­sen­schaft und Tech­nik waren noch nicht für die Nut­zung von Wind, Son­ne und ande­ren, in der Umge­bung vor­han­de­ner Ener­gie­for­men bereit. Die Nut­zung von Koh­le und Öl ver­än­der­te die Welt und führ­te zum welt­um­span­nen­den Auf­bau eines zen­tra­len Ener­gie­sys­tems. Die Zen­tra­li­sie­rung führ­te dabei zur Bün­de­lung wirt­schaft­li­cher Macht auf weni­ge Akteu­re, aber auch zu einem hohen Maß an zen­tra­ler, staat­li­cher Regulierung.

Lokales Handeln und globales Denken verbinden

Die Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin Frau Prof. Shosha­na Zub­off macht in ihrem Buch „In the age oft the smart machi­ne“ schon in den 1980-er Jah­ren deut­lich, dass letzt­end­lich ein zen­tra­lis­ti­scher Wirt­schafts- und Gesell­schafts­ent­wurf im Umfeld von Digi­ta­li­sie­rung, Auto­ma­ti­sie­rung und Über­wa­chungs­tech­no­lo­gien eher zu demo­kra­tie­ge­fähr­den­der Kon­trol­le und Ent­mün­di­gung neigt. Ein dezen­tra­ler Gegen­ent­wurf basiert auf Selbst­ver­ant­wor­tung sowie Auto­no­mie und Frei­heit des Han­delns. Dazu gehö­ren regio­na­le Wirt­schafts­me­cha­nis­men und Gesell­schafts­funk­tio­nen. Loka­les Han­deln und glo­ba­les Den­ken sind also zu ver­bin­den. Dies ist die logi­sche Kon­se­quenz zur Erhal­tung von Frei­heit, die die Grund­la­ge der Demo­kra­tie ist.

Der Kampf gegen den Kli­ma­wan­del kann nur mit der Umstel­lung auf eine nach­hal­ti­ge Lebens­wei­se gelin­gen. Dies umfasst die Trans­for­ma­ti­on zu einem nach­hal­ti­gen Ener­gie­sys­tem. Bei der Ent­schei­dung, ob die­ses Sys­tem zen­tral oder dezen­tral zu gestal­ten ist, hel­fen uns sowohl die Lek­tio­nen wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie als auch die Erkennt­nis­se der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin Zuboff.

Das oben ange­spro­che­ne Wil­lens­bil­dung poli­ti­scher Insti­tu­tio­nen zur Stär­kung von Dezen­tra­li­tät unter den Bedin­gun­gen der Glo­ba­li­sie­rung benö­tigt wahr­schein­lich noch wei­te­re Moti­va­ti­on. Des­halb wer­den wir nun die Her­aus­for­de­run­gen für die Wirt­schafts- und Gesell­schafts­po­li­tik sowie die Bewusst­seins­bil­dung für Chan­cen der Ener­gie­wen­de im Span­nungs­feld zwi­schen Mas­ter­plä­nen und Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on betrachten.

Abgeben von Kontrolle und Zulassen von Komplexität

Der Weg zu einem nach­hal­ti­gen Ener­gie­sys­tem erfor­dert zuerst, das Ver­hält­nis zwi­schen Kon­trol­le der Ener­gie­flüs­se durch Staat und Ener­gie­un­ter­neh­men sowie Eigen­ver­ant­wor­tung und Auto­no­mie der Bür­ger, Unter­neh­men und Lokal­po­li­tik neu zu bewer­ten. Zwi­schen natio­na­len, kon­ti­nen­ta­len und glo­ba­len Ener­gie­sys­te­men sowie loka­len und regio­na­len Han­deln liegt ein wei­tes Feld.

Coro­na lehr­te uns, dass die Reduk­ti­on von Kon­trol­le effek­ti­ver zum gemein­sa­men Ziel füh­ren kann. Staa­ten, die mit weni­ger Büro­kra­tie agier­ten, konn­ten schnel­ler eine höhe­re Impf­quo­te ver­zeich­nen. Deutsch­land muss­te sowohl mit der Pan­de­mie, aber auch bei der Trans­for­ma­ti­on des Ener­gie­sys­tems ler­nen, dass Über­bü­ro­kra­ti­sie­rung und Regu­lie­rung bis in die Details kein Erfolgs­re­zept sind.

Ein­mal erlang­te Kon­trol­le wird aber ungern wie­der abge­tre­ten. Dafür gibt es gute Argu­men­te, denn der Ver­lust an Kon­trol­le ver­ur­sacht das Wachs­tum von Kom­ple­xi­tät. Es ist des­halb not­wen­dig, sich mit dem schwie­ri­gen The­ma Kom­ple­xi­tät zu beschäftigen.

Von der Natur lernen heißt siegen lernen

Die mensch­li­che Gesell­schaft bil­det sicher­lich ein hoch kom­ple­xes Sys­tem. Die Infor­ma­ti­ons­flüs­se sowie die Ener­gie- und Stoff­flüs­se im sozia­len Umfeld als auch in Wirt­schaft und Han­del sind Grund­la­ge eines viel­fäl­ti­gen Netz­wer­kes zwi­schen den Tei­len der Gesell­schaft. Aber die Viel­falt der Ele­men­te einer Gesell­schaft und ihrer Orga­ni­sa­ti­ons­for­men begrenzt die Mög­lich­kei­ten der Ver­bin­dung aller Tei­le und des Infor­ma­ti­ons­aus­tau­sches. Die Kom­ple­xi­tät wächst, da nicht mehr alle Wir­kun­gen der ein­zel­nen Tei­le auf das Gan­ze zu bestim­men sind. Des­halb wer­den zen­tra­le Sys­te­me aus weni­ger Tei­len oft als leich­ter beherrsch­bar angesehen.

Nun lernt die Gesell­schaft aber gera­de durch Coro­na, dass Zen­tra­li­sie­rung das Gan­ze anfäl­li­ger gegen Stö­run­gen macht. Dezen­tra­li­sie­rung im Ver­bund vie­ler Tei­le kann die Wider­stands­kraft der Gesell­schaft erhö­hen. Dies ist aber nicht zwin­gend, denn das Zusam­men­wir­ken vie­ler Teil kann auch im Cha­os mün­den. Die mensch­li­che Gesell­schaft durf­te dies in vie­len Krie­gen zwi­schen ego­is­tisch agie­ren­den Tei­len der Welt leid­voll erfah­ren. Schein­bar sta­bi­le Gesell­schaf­ten zerbrachen.

Wenn es also gilt, zen­tra­le Kon­trol­le abzu­ge­ben und mehr dezen­tra­le Struk­tu­ren zu ent­wi­ckeln, wie begeg­nen wie somit der wach­sen­den Komplexität.

Eigent­lich macht es uns die Natur vor. Kom­ple­xi­tät lässt sich beherr­schen, wenn das Gan­ze in klei­ne­re Tei­le zer­legt wird, die auto­nom und eigen­ver­ant­wort­lich wir­ken kön­nen, aber mit­ein­an­der nach fest­ge­leg­ten Regeln inter­agie­ren. Dazu exis­tie­ren Vor­schlä­ge einer zel­lu­lä­ren Sys­tem­ge­stal­tung, wie es die Natur mit der Ent­wick­lung des Lebens vormacht.

Mit der fort­schrei­ten­den Trans­for­ma­ti­on zu einer kli­ma­neu­tra­len Ener­gie­ver­sor­gung ist die Ener­gie­wirt­schaft zur Beherr­schung wach­sen­der Kom­ple­xi­tät neu zu orga­ni­sie­ren. Zur Lösungs­ent­wick­lung und Demons­tra­ti­on för­der­te die Bun­des­re­gie­rung umfang­rei­che Pro­gram­me. In die­sem Rah­men for­mu­lier­te eines der zuge­hö­ri­gen Pro­jek­te unter dem Titel C/sells drei Grund­prin­zi­pi­en: Par­ti­zi­pa­ti­on, Viel­falt und Zellularität.

Partizipation, Vielfalt und Zellularität

Dezen­tra­li­sie­rung basiert auf der Mit­ge­stal­tung brei­ter Akteurs­grup­pen der Gesell­schaft. Dafür steht der Begriff Par­ti­zi­pa­ti­on. Betei­li­gung schafft gleich­zei­tig Akzep­tanz für Ver­än­de­rungs­pro­zes­se. Mit dezen­tral gewon­ne­ner Ener­gie kann Quar­tiers- und Stadt­ent­wick­lung neu defi­niert wer­den.  Die­je­ni­gen, die bereits heu­te Kli­ma­schutz vor­an­trei­ben wol­len (z.B. Bür­ger, Kom­mu­nen, Stadt­wer­ke, Ener­gie­dienst­leis­ter) erhal­ten mehr Gestal­tungs­ho­heit bei Auf­bau und Betrieb von Infra­struk­tu­ren. Neue Geschäfts­mo­del­le füh­ren zu loka­ler und regio­na­ler Wert­schöp­fung sowie zu neu­en Mög­lich­kei­ten der Teil­ha­be in der Energiegemeinschaft.

Betei­li­gung und auto­no­me Gestal­tung füh­ren aber durch die hohe Zahl der Akteu­re und tech­ni­scher Kom­po­nen­ten zu einer bis­her nicht gekann­ten Viel­falt im Ener­gie­sys­tem. Dabei beför­dert Dezen­tra­li­sie­rung Viel­falt und wird umge­kehrt durch die dafür not­wen­di­ge Digi­ta­li­sie­rung von ihr befeu­ert. Viel­falt ist eine Her­aus­for­de­rung, da die Kom­ple­xi­tät steigt, aber auch Chan­ce für Inno­va­tio­nen und Par­ti­zi­pa­ti­on. Somit ist Viel­falt sowohl Ergeb­nis als auch Ziel der Entwicklungen.

Betei­li­gung und auto­no­me Gestal­tung zer­le­gen das Ener­gie­sys­tem qua­si in Teil­sys­te­me, in Zel­len, die Mit­tel zur Beherr­schung von Kom­ple­xi­tät sind. Mit auto­no­men Ener­gie­kon­zep­ten in Gestal­tungs­zel­len wie Gebäu­den und Stadt­quar­tie­ren sowie gewerb­li­chen, indus­tri­el­len und länd­li­chen Area­len wird die Ver­ant­wor­tung im loka­len und regio­na­len Umfeld mit der Erschlie­ßung neu­er Wert­schöp­fungs­mög­lich­kei­ten über­nom­men. Die Ver­bin­dung die­ser Zel­len gewähr­leis­tet wie­der­um Aus­tausch und Sicher­heit in der Gemein­schaft. Regeln sowie gemein­sa­me Stan­dards sind Mit­tel zur Beherr­schung von Vielfalt.

Offen bleibt die Fra­ge, mit wel­chen Mecha­nis­men und Werk­zeu­gen ein Ver­bund von auto­no­men Ener­gie­zel­len ein sta­bi­les Gan­zes im Ver­bund bil­det. 

Flexibilität als Erfolgsmodell der Natur

Zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge­stel­lung keh­ren wir wie­der zum Begriff Fle­xi­bi­li­tät zurück. Ein sta­bi­les, aus auto­no­men Tei­len zusam­men­ge­setz­tes Gan­zes benö­tigt Fle­xi­bi­li­tät, um auf unvor­her­ge­se­he­ne Ereig­nis­se reagie­ren zu können.

Star­re, unfle­xi­ble Regeln des Zusam­men­wir­kens kön­nen auf­grund feh­len­der Fle­xi­bi­li­tät zum Zusam­men­bruch füh­ren. Auch markt­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­te Sys­te­me sind dabei vor dem Man­gel an Fle­xi­bi­li­tät nicht geschützt. Die Kon­se­quen­zen voll­stän­dig opti­mier­ter, glo­ba­ler Lie­fer­ket­ten mit mini­ma­ler Lager­hal­tung wur­den mit der Coro­na-Pan­de­mie offensichtlich.

Fle­xi­bi­le Sys­te­me besit­zen in unvor­her­ge­se­he­nen Situa­tio­nen alter­na­ti­ve Hand­lungs­mög­lich­kei­ten.  Somit ist Fle­xi­bi­li­tät der Schlüs­sel zur Beherr­schung kom­ple­xer Sys­te­me. Dies gilt ana­log für die Fle­xi­bi­li­sie­rung eines zukünf­ti­gen Ener­gie­sys­tems, das auf Erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len und dezen­tra­ler Erzeu­gung beruht.

Ana­log zu fle­xi­blen Lie­fer­ket­ten mit aus­rei­chen­den Hand­lungs­op­tio­nen durch Lager­ka­pa­zi­tä­ten benö­ti­gen zukünf­ti­ge Ener­gie­sys­te­me viel­fäl­ti­ge Kapa­zi­tä­ten von Ener­gie­spei­chern, um fle­xi­bel mit­ein­an­der inter­agie­ren zu kön­nen. Die im Strom­sys­tem nutz­ba­re Fle­xi­bi­li­tät ist dabei nicht aus­rei­chend. Not­wen­dig wird des­halb zuneh­mend die Kopp­lung ver­schie­de­ner Ener­gie­sek­to­ren. Dies umfasst die inte­grier­te Betrach­tung der Ener­gie­flüs­se und Bedar­fe an elek­tri­scher Ener­gie, Wär­me und erneu­er­ba­rem Gas sowie von Ener­gie­trä­gern für Mobi­li­tät und Industrieprozesse.

Politische Willensbildung von unten nach oben und die Rolle der Städte

Wir lern­ten in den letz­ten Jah­ren, dass der Umbau zu einem nach­hal­ti­gen Ener­gie­sys­tem im Kampf gegen den Kli­ma­wan­del ein äußerst kom­ple­xer Gestal­tungs­pro­zess ist. Dage­gen ist poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung oft von für Poli­ti­ker und Wäh­ler ein­fach fass­ba­ren Kon­zep­ten geprägt. Wie kann also die Wil­lens­bil­dung auf dem Weg zur Dezen­tra­li­sie­rung wich­ti­ger gesell­schaft­li­cher Infra­struk­tu­ren erfol­gen, um Wider­stands­fä­hig­keit und Fle­xi­bi­li­tät zu stärken?

Letzt­end­lich ist staat­li­che Poli­tik nur die Spit­ze des Eis­ber­ges. Getra­gen wird Poli­tik und Bereit­schaft für Ver­än­de­rungs­pro­zes­se im unmit­tel­ba­ren Lebens­um­feld der Men­schen; in Stadt und Land. Ins­be­son­de­re Städ­te spie­len eine zen­tra­le Rol­le für die Ener­gie­wen­de und den Kli­ma­schutz. Auto­no­me Lösun­gen auf Basis erneu­er­ba­rer Ener­gien, neu­er Werk­stoff­tech­no­lo­gien sowie der Digi­ta­li­sie­rung füh­ren zu neu­en For­men des Bauens.

Gleich­zei­tig brin­gen Kli­ma­wan­del, zuneh­men­de Ver­net­zung und eine glo­ba­li­sier­te Welt neue Gefah­ren für die siche­re Funk­ti­on der Stadt mit sich. Dies zeigt die zuneh­men­de Anzahl der Cyber-Angrif­fe aus dem Inter­net wie auch die aktu­el­le Coro­na-Kri­se. Die Stadt muss sich mit auto­no­men Funk­tio­nen auf die­se Gefah­ren ein­stel­len. In die­sem Umfeld sind neue Lösun­gen zu schaf­fen, zu demons­trie­ren und zu vervielfältigen.

Die Stadt der Zukunft kann nicht aut­ark funk­tio­nie­ren. Aber erneu­er­ba­re Ener­gien und Dezen­tra­li­sie­rung ermög­li­chen die Ent­wick­lung auto­no­mer, wider­stands­fä­hi­ger Infra­struk­tu­ren mit regio­na­ler und über­re­gio­na­ler Vernetzung.

Wir benö­ti­gen somit einen Pro­zess von unten nach oben, der den Wil­len und die Mög­lich­kei­ten der Teil­ha­be am Umbau des Ener­gie­sys­tems von der loka­len Poli­tik bis zur staat­li­chen Poli­tik trägt.


Andre­as Kieß­ling, ener­gy design, Lei­men / Hei­del­berg — 26. Juni 2021

Andre­as Kieß­ling, ener­gy design

Andreas Kießling
Über Andreas Kießling 75 Artikel
Andreas Kießling hat in Dresden Physik studiert und lebt im Raum Heidelberg. Er beteiligt sich als Freiberufler und Autor an der Gestaltung nachhaltiger Lebensräume und zugehöriger Energiekreisläufe. Dies betrifft Themen zu erneuerbaren und dezentral organisierten Energien. Veröffentlichungen als auch die Aktivitäten zur Beratung, zum Projektmanagement und zur Lehre dienen der Gestaltung von Energietechnologie, Energiepolitik und Energieökonomie mit regionalen und lokalen Chancen der Raumentwicklung in einer globalisierten Welt.

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