Süßwasser durch Meerwasserentsalzung

Meerwasserentsalzung

Faktenbildung im neuen Licht am Beispiel der Meerwasserentsalzung

Schein­bar bekann­te Fak­ten rela­ti­vie­ren sich plötz­lich, wenn sie in ande­re Zusam­men­hän­ge gestellt wer­den. Inso­fern soll­ten wir im Sin­ne eines wachen Geis­tes gele­gent­lich eine Übung absol­vie­ren. Es gilt, schein­ba­re Wahr­hei­ten mit ande­ren Fak­ten in Bezie­hung zu set­zen und dabei even­tu­ell zu neu­en Ein­sich­ten zu gelan­gen. Dies soll am Bei­spiel einer per­sön­li­chen Erfah­rung ver­an­schau­licht werden.

Fol­gen­de Fak­ten­la­ge hat­te sich ver­fes­tigt. Anla­gen zur Meer­was­ser­ent­sal­zung waren eine inter­es­san­te Mög­lich­keit, die Was­ser­ver­sor­gung bei knap­pem Ange­bot zu ergän­zen. Auf­grund des dafür not­wen­di­gen hohen Ener­gie­ein­sat­zes war die Über­trag­bar­keit auf den groß­flä­chi­gen Ein­satz zwei­fel­haft. Hin­zu kam, dass gera­de in den Län­dern mit Was­ser­man­gel zur Meer­was­ser­ent­sal­zung fos­si­le Ener­gie­trä­ger mit den ent­spre­chen­den Aus­wir­kun­gen für die Umwelt ein­ge­setzt wurden.

Aber die eige­ne Recher­che führ­te zu völ­lig ande­ren Schluss­fol­ge­run­gen. Bevor wir die­se Betrach­tung wei­ter­füh­ren, holen wir uns Unter­stüt­zung bei Bern­hard Schmid mit dem The­ma Elektromobilität.

 

Vom Sinn Glaubenssätze zu hinterfragen

An die­ser Stel­le soll nicht auf einen ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten ver­wie­sen wer­den, der eige­ne Maß­stä­be bezüg­lich authen­ti­scher und gefälsch­ter News in die Welt setzt. Der­ar­ti­ge Erfah­run­gen schaf­fen aber genug Moti­va­ti­on, die Fak­ten­la­ge zu bestimm­ten The­men mit ein wenig gesun­dem Men­schen­ver­stand selbst zu prü­fen. Zu schnell wan­delt sich eine ursprüng­li­che Infor­ma­ti­on, die im Stil­le-Post-Ver­fah­ren über vie­le Zwi­schen­sta­tio­nen über­tra­gen wur­de, zu einer gefil­ter­ten Aus­le­gung der Nach­richt, die nach jewei­li­gem Bedarf benutzt wird.

In sei­nem Bei­trag „Bilanz zie­hen“ zeigt dies Bern­hard Schmid von MotleyFool.de anhand von Bei­spie­len zur Elek­tro­mo­bi­li­tät und zur Pro­duk­ti­on von Bat­te­rie­spei­chern auf über­zeu­gen­de Weise.

Als Grund gegen Elek­tro­fahr­zeu­ge wird das Argu­ment genannt, dass eine zu 100 % von Elek­tro­fahr­zeu­gen durch­drun­ge­ne Gesell­schaft das Strom­netz zum Zusam­men­bre­chen brin­gen wür­de. Da ist sogar etwas dran. Aber auch nicht so viel, wie man auf­grund der Hit­ze der Debat­te ver­mu­ten wür­de und wie man mit einer Milch­mäd­chen­rech­nung schnell fest­stel­len kann:

Laut Wiki­pe­dia hat das per­for­man­ce­stärks­te Tes­la Model 3 eine Bat­te­rie mit einer Kapa­zi­tät von 75 kWh und eine WLTP-Reich­wei­te von 530 Kilometern.

Laut Kraft­fahrt­bun­des­amt beträgt „die jähr­li­che Gesamt­fahr­leis­tung aller in Deutsch­land zuge­las­se­nen Kraft­fahr­zeu­ge […] 2017 […] 732,9 Mil­li­ar­den Kilometer“.

Dar­aus folgt: Wären alle die­se Kilo­me­ter im per­for­man­ce­stärks­ten Tes­la Model 3 zurück­ge­legt wor­den, hät­te dies zu einem Ener­gie­ver­brauch von 103,7 Tera­watt­stun­den geführt.

Zum Ver­gleich: Laut Ener­gy Charts lag die Net­to­strom­erzeu­gung in Deutsch­land im Jahr 2017 bei rund 550 Tera­watt­stun­den. Das hypo­the­ti­sche Tes­la-Sze­na­rio wür­de daher zu einem um weni­ger als ein Fünf­tel höhe­ren Strom­ver­brauch füh­ren. Das hört sich für mich nicht wirk­lich extrem an.“ (B. Schmid, MotleyFool.de vom 25.02.2019)

 

Fakten zur weltweiten Wassernutzung

Kom­men wir nach die­sem Bei­spiel der Fak­ten­be­ur­tei­lung nun zum The­ma Was­ser und Meer­was­ser­ent­sal­zung zurück. Auf der Erde ent­fal­len nur drei Pro­zent der Was­ser­vor­rä­te auf Süß­was­ser, wobei nur ein Pro­zent in Form flüs­si­gen Süß­was­sers vor­liegt und zwei Pro­zent Süß­was­ser als Eis gebun­den ist.

Welt­weit liegt der Süß­was­ser­be­darf bei jähr­lich geschätzt 4.370 km³ (2015), wobei die Gren­ze der nach­hal­ti­gen Nut­zung bei 4.000 km³ ange­ge­ben wird (sie­he auch Welt­erschöp­fungs­tag). Ein dabei bis­lang unter­schätz­ter Fak­tor ist die Ver­duns­tung genutz­ten oder zur Nut­zung vor­ge­hal­te­nen Was­sers bspw. durch Pflan­zen („Evapo­tran­spi­ra­ti­on“), die nach neu­er Daten-Ana­ly­se mit ca. 20 % des Gesamt­ver­brauchs ange­nom­men wird.“ (Wiki­pe­dia vom 25.02.2019 zum Ein­trag „Was­ser­ver­brauch“)

Sehen wir uns die­se Zah­len noch ein wenig genau­er an. Gebraucht wer­den in Deutsch­land 1.426 Kubik­me­ter (m³) pro Ein­woh­ner und Jahr (soge­nann­ter Was­ser­fuß­ab­druck). Pro Tag sind dies 3,9 m³, also 3.900 Liter. Der rea­le per­so­nen­be­zo­ge­ne Ein­satz von Was­ser in Deutsch­land beträgt aber pro Tag nur 122 Liter. Der vir­tu­el­le täg­li­che Bedarf von 3.900 Litern resul­tiert aus der gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Nut­zung für Indus­trie und Land­wirt­schaft. Die­se Gesamt­be­trach­tung zur Was­ser­nut­zung auf Basis der Bevöl­ke­rung von 80 Mil­lio­nen in Deutsch­land führt zu einem jähr­li­chen Bedarf in Höhe von 113.880.000.000 m³. Wir nut­zen in unse­rem Land 113,88 Kubik­ki­lo­me­ter (km³) Was­ser jährlich.

Im welt­wei­ten Durch­schnitt wer­den pro Jahr und Erden­bür­ger 1.385 m³ Was­ser ver­braucht. Eine Welt­be­völ­ke­rung, die bald die 8 Mil­li­ar­den-Gren­ze über­schrei­tet, benö­tigt also mit 11.080 km³ Was­ser pro Jahr — 11.080.000.000.000 m³ — unge­fähr die hun­dert­fa­che Men­ge Was­ser wie Deutschland.

Ein Teil die­ses Was­ser­be­dar­fes wird durch Was­ser­kreis­läu­fe mit ent­spre­chen­den Rei­ni­gungs­ver­fah­ren ohne zusätz­li­che Süß­was­ser­ent­nah­me gedeckt. Es ver­bleibt die tat­säch­li­che Süß­was­ser­ent­nah­me aus den Reser­voirs der Erde, aus dem Grund­was­ser, aus Quel­len, Flüs­sen und Seen sowie Eis­glet­schern in Hochgebirgen.

Die­se Ent­nah­me an Süß­was­ser beträgt 4370 km³, also 4.370.000.000.000 m³ (4,3 Bil­lio­nen) oder 4.370.000.000.000.000 Liter (4,3 Bil­li­ar­den) pro Jahr.

 

Zugang zur Wassernutzung

Nun weist ein Arti­kel des Pres­se­por­tals Welt.de auf fol­gen­de Tat­sa­che hin.

900 Mil­lio­nen Men­schen haben kei­nen Zugang zu sau­be­rem Was­ser. Die Gefahr neu­er Krie­ge ver­schärft sich damit im Kampf um Res­sour­cen dras­tisch. Gleich­zei­tig ver­schär­fen Kon­zer­ne die Lage, mit ihren Anstren­gun­gen Was­ser­quel­len zu privatisieren.“

(https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article114678603/Der-brutale-Wettlauf-um-die-Trinkwasserquellen.html — Ver­öf­fent­licht am 22.03.2013)

Wird also die oben erläu­ter­te Süß­was­ser­ent­nah­me aus dem Reser­voir der Erde durch eine Bevöl­ke­rung von unge­fähr 7 Mil­li­ar­den auf wei­te­re 900 Mil­lio­nen Men­schen über­tra­gen, resul­tiert dar­aus ein zusätz­li­cher Bedarf in Höhe von 560 km³ oder von 560.000.000.000.000 Litern. Die jähr­li­che Was­ser­ent­nah­me wür­de auf 4930 km³ stei­gen. Wie eben­so bereits aus­ge­führt liegt der Wert der soge­nann­ten Welt­erschöp­fung bezüg­lich der Was­ser­ent­nah­me bereits bei 4000 km³. Ein wei­te­res Wachs­tum der Welt­be­völ­ke­rung auf über 10 Mil­li­ar­den Bewoh­ner wird bis zum Jahr 2050 pro­gnos­ti­ziert. Damit könn­te die jähr­li­che Süß­was­ser­ent­nah­me auf über 6000 km³ stei­gen. Der Aus­weg aus die­ser Situa­ti­on kann bei allen Spar­be­mü­hun­gen nur in der Meer­was­ser­ent­sal­zung lie­gen. Da mit dem Kli­ma­wan­del sich auch die Wüs­ten­bil­dung ver­stärkt und weni­ger Eis­glet­scher in den Hoch­ge­bir­gen zur Abnah­me von Reser­voirs füh­ren, wird die Rol­le der Meer­was­ser­ent­sal­zung in der Zukunft noch offensichtlicher.

 

Technologie zur Meerwasserentsalzung

Lei­der gibt es ein Pro­blem. Die Meer­was­ser­ent­sal­zung erfor­dert einen hohen Ener­gie­ein­satz. Gera­de in den Wüs­ten­län­dern der ara­bi­schen Welt nut­zen ent­spre­chen­de Anla­gen die fos­si­len Ener­gie­trä­ger der Regi­on. Ein aus­rei­chen­des Ange­bot von Was­ser für alle Men­schen kol­li­diert also mit den Kli­ma­zie­len, die nur durch den Abbau des Koh­len­di­oxid­aus­stos­ses zu errei­chen sind. Der Kon­flikt kann auf­ge­löst wer­den, wenn Meer­was­ser­ent­sal­zung zukünf­tig auf der Nut­zung Erneu­er­ba­rer Ener­gien beruht. Aber wie­viel Ener­gie wird benö­tigt und wel­che Kos­ten entstehen?

Dabei wird an die­ser Stel­le nicht auf die ver­schie­de­nen Ver­fah­ren zur Meer­was­ser­ent­sal­zung ein­ge­gan­gen, son­dern wir nähern uns der The­ma­tik mit einer aus­ge­wähl­ten Technologie.

Die Meer­was­ser­ent­sal­zung durch Umkehr­os­mo­se (Wiki­pe­dia, 01.03.2019) pro­du­ziert Süß­was­ser aktu­ell zu Kos­ten von bis zu 80 US-Cent pro Kubik­me­ter. Eine zukünf­ti­ge Sen­kung auf 40 bis 50 US-Cent wird als rea­lis­tisch ein­ge­schätzt. Der zusätz­li­che Bedarf für Regio­nen ohne aus­rei­chen­den Zugriff auf Süß­was­ser wur­de oben mit 560.000.000.000 m³ pro Jahr bezif­fert. Eine zukünf­ti­ge Deckung die­ses Bedar­fes durch Meer­was­ser­ent­sal­zung wür­de also jähr­lich 224 Mil­li­ar­den Dol­lar bis 280 Mil­li­ar­den Dol­lar erfordern.

Der Auf­wand resul­tiert ins­be­son­de­re aus den Kos­ten der benö­tig­ten Ener­gie und den Kos­ten aus der Abschrei­bung der dazu benö­tig­ten Anla­gen­in­ves­ti­tio­nen. Des­halb ver­tie­fen wir die­se Kos­ten noch ein­mal aus zwei Richtungen.

 

Energie für die Meerwasserentsalzung

Zuerst über­schla­gen wir die benö­tig­te Ener­gie und die fol­gen­den gesam­ten Erzeu­gungs­kos­ten, um Was­ser­man­gel welt­weit durch Meer­was­ser­ent­sal­zung zu besei­ti­gen. Wäh­rend bis­he­ri­ge groß­tech­ni­sche Ver­fah­ren eini­ge zehn Kilo­watt­stun­den Ener­gie pro Kubik­me­ter Was­ser ein­setz­ten, benö­ti­gen moder­ne Ver­fah­ren nur noch fünf Kilo­watt­stun­den je Kubik­me­ter. Aktu­el­le Ent­wick­lun­gen deu­ten auf eine wei­te­re Sen­kung bis zu einer Kilo­watt­stun­de je Kubik­me­ter hin.

Der genann­te Zusatz­be­darf an Was­ser in Höhe von 560 km³ führt mit einem ange­nom­men Wert von durch­schnitt­lich drei Kilo­watt­stun­den je Kubik­me­ter bei einer welt­wei­ten Umstel­lung auf moder­ne Ent­sal­zungs­ver­fah­ren in den nächs­ten Jahr­zehn­ten zu einem jähr­li­chen Ener­gie­ein­satz von unge­fähr 1.700 TWh (Ter­ra­watt­stun­den). Der gesam­te End­ener­gie­be­darf der Mensch­heit wird heu­te mit einem Wert zwi­schen 150.000 und 200.000 TWh bezif­fert. Der jähr­li­che End­ener­gie­be­darf in Deutsch­land beträgt 2.500 TWh. Somit reicht der gesam­te Ener­gie­ein­satz in Deutsch­land also, um durch Meer­was­ser­ent­sal­zung den Was­ser­man­gel der Welt zu decken. Der welt­wei­te Ener­gie­be­darf wür­de nur um unge­fähr ein Pro­zent steigen!

Die Strom­erzeu­gungs­kos­ten mit Erneu­er­ba­ren Ener­gien wer­den für das Jahr 2030 bei Sonnen‑, Wind‑, Gezei­ten- oder Wel­len­en­er­gie je nach Anla­gen­art und Instal­la­ti­ons­ort zwi­schen 5 und 15 Cent je Kilo­watt­stun­de pro­gnos­ti­ziert. Mit dem Mit­tel­wert die­ses Kor­ri­dors in Höhe von 10 Cent je Kilo­watt­stun­de führt der jähr­li­che Ener­gie­be­darf von 1.700 TWh zu Kos­ten von 170 Mil­li­ar­den Euro Erzeugungskosten.

 

Investitionen in die Meerwasserentsalzung

Nun wol­len wir die not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen am Bei­spiel aktu­ell in Betrieb genom­me­ner Anla­gen hochrechnen.

Isra­el ist Vor­rei­ter bei der brei­ten Nut­zung der Meer­was­ser­ent­sal­zung. Das Land besitzt der­zeit fünf der welt­weit zwölf größ­ten Ent­sal­zungs­an­la­gen und beab­sich­tigt bis zum Jah­re 2020 die gesam­te Trink­was­ser­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit neu­en Anla­gen abzu­si­chern. Das Nach­rich­ten­por­tal “Arutz Sche­va” berich­tet im Jah­re 2010 zur Inbe­trieb­nah­me einer neu­en Anla­ge,  dass deren Betrieb jähr­lich rund 127 Mil­lio­nen Kubik­me­ter Was­ser lie­fert – mehr als zehn Pro­zent des israe­li­schen Bedarfs. Sie funk­tio­niert mit Hil­fe der Umkehr­os­mo­se und kos­te­te rund 400 Mil­lio­nen Dollar.

Mit einer Inves­ti­ti­on in Höhe von 400 Mil­lio­nen Dol­lar ent­salzt die­se Anla­ge für die Bevöl­ke­rung Isra­els jähr­lich 0,127 km³ Was­ser. Bei linea­rer Ska­lie­rung erfor­dert die Meer­was­ser­ent­sal­zung von einem Kubik­ki­lo­me­ter eine Inves­ti­ti­on von über 3 Mil­li­ar­den Dol­lar. Schluss­end­lich folgt dar­aus für 560 km³ welt­wei­ten Zusatz­be­darf an Was­ser eine Inves­ti­ti­on von 1680 Mil­li­ar­den Dollar.

Mit der Annah­me, dass die­se Inves­ti­tio­nen über einen Zeit­raum von 15 Jah­ren getä­tigt und gleich­zei­tig auch über 15 Jah­re abge­schrie­ben wer­den, resul­tie­ren aus der ermit­tel­ten Höhe des gesam­ten Inves­ti­ti­ons­be­dar­fes jähr­li­che Kos­ten in der Grö­ßen­ord­nung von 100 Mil­lar­den Dollar.

Dies Sum­me der abge­schätz­ten jähr­li­chen Ener­gie­kos­ten in Höhe von 170 Mil­li­ar­den Dol­lar zuzüg­lich der jähr­li­chen Kos­ten aus Inves­ti­ti­on und zuge­hö­ri­ger Abschrei­bung beträgt somit 270 Mil­li­ar­den Dol­lar jähr­lich. Wir erhal­ten wie­der­um den schon oben genann­ten Wert von 50 Cent Kos­ten je Kubik­me­ter ent­salz­tes Wasser.

Las­sen sie uns auf die­se Zahl spä­ter zurück­kom­men. Vor­her sol­len aber auch die mit der Meer­was­ser­ent­sal­zung ver­bun­de­nen Pro­ble­me nicht ver­schwie­gen werden.

 

Kein Fortschritt ohne Tücken

Zwar gelangt die Mensch­heit mit einer zuneh­men­den Anzahl von Anla­gen an fri­sches Trink­was­ser, doch rich­tig umwelt­freund­lich ist die Ent­sal­zung noch nicht.

Durch das Absau­gen des Meer­was­sers wer­den Fische, Plank­ton und ande­re Orga­nis­men in die Anla­ge geschleust, die dort im Fil­ter­sys­tem ver­en­den. Des Wei­te­ren wer­den die Unrein­hei­ten, die von den Was­ser­mo­le­kü­len getrennt wer­den, zurück ins Meer gelei­tet. Die­ses Abwas­ser hat einen sehr hohen Salz­ge­halt, sodass Tier- und Pflan­zen­welt im Umfeld der Anla­ge nach­hal­tig beein­flusst werden.“

http://www.3sat.de, 07. Sep­tem­ber 2015, Meer­was­ser­ent­sal­zung — Tech­no­lo­gie mit Tücken

Trotz aller Spar­be­mü­hun­gen bei der Was­ser­nut­zung, der Erschlie­ßung neu­er Was­ser­re­ser­voirs in tie­fen Erd­schich­ten, der Nut­zung von auf dem Was­ser schwim­men­den Eis­ber­gen sowie der Rege­ne­ra­ti­on von Was­ser, ist die Meer­was­ser­ent­sal­zung im Hin­blick auf die wei­ter­hin stei­gen­de Welt­be­völ­ke­rung alter­na­tiv­los. Inso­fern sind umwelt­freund­li­che­re Metho­den zur Meer­was­ser­ent­sal­zung zu entwickeln.

Der oben genann­te Arti­kel auf 3sat.de führt dazu wei­ter aus:

Bei­spiels­wei­se spe­zia­li­siert sich ein Start­up-Unter­neh­men der TU Ber­lin auf die Rei­ni­gung des Meer­was­sers, noch bevor es ent­salzt wird. Durch man­geln­de Vor­rei­ni­gung des Was­sers ver­stop­fen Algen und Schmutz die Anla­gen. Akvo­lu­ti­on, wie sich das Unter­neh­men nennt, ent­wi­ckel­te eine Tech­no­lo­gie, bei der durch einen Luft­fil­ter Algen an Luft­bla­sen gebun­den wer­den, anschlie­ßend wird das Was­ser noch­mals durch Kera­mik­fil­ter gerei­nigt. So fließt das Was­ser gesäu­bert in die Ent­sal­zungs­an­la­ge. Da die ers­ten Tests erfolg­reich waren, darf sich die Tech­no­lo­gie schon bald in den Golf­staa­ten bewei­sen. Akvo­lu­ti­on ver­spricht hier­bei 20% nied­ri­ge­re Betriebs­kos­ten und einen signi­fi­kant nied­ri­ge­ren Ener­gie­ver­brauch gegen­über tra­di­tio­nel­len Technologien.“

Die For­scher und natür­lich auch die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen hof­fen, dass sich die­se und wei­te­re Metho­den der Ent­sal­zung bewäh­ren. Fakt ist, dass immer mehr Län­der von der Meer­was­ser­ent­sal­zung abhän­gig sind, da das Grund­was­ser immer knap­per wird.

 

Querdenken zur Finanzierung der Meerwasserentsalzung

Kom­men wir nun zu den abge­schätz­ten, jähr­li­chen Kos­ten in Höhe von 270 Mil­li­ar­den Dol­lar für die Meer­was­ser­ent­sal­zung zur Deckung des Was­ser­zu­satz­be­dar­fes mit 560 Kubik­ki­lo­me­tern zurück.

Bei einer welt­wei­ten Betrach­tung rela­ti­vie­ren sich sol­che Sum­men schnell. Des­halb unter­neh­men wir abschlie­ßend einen klei­nen Aus­flug in eine uner­war­te­te Rich­tung. Fol­gen­de Gra­fik stellt die Rüs­tungs­aus­ga­ben der füh­ren­den Indus­trie­län­der im Jah­re 2017 dar.

Meerwasserentsalzung statt Rüstungskosten

Dabei springt sofort der exor­bi­tan­te Vor­sprung der USA bei den Rüs­tungs­aus­ga­ben mit 610 Mil­li­ar­den Dol­lar pro Jahr gegen­über dem zwei­ten Platz Chi­na mit 230 Mil­li­ar­den Dol­lar auf. Wür­de nun in einem fik­ti­ven Sze­na­rio die USA auf 270 Mil­li­ar­den ihrer jähr­li­chen Rüs­tungs­aus­ge­ben ver­zich­ten, ver­blie­ben immer noch 340 Mil­li­ar­den und damit wei­ter­hin eine deut­li­che Über­le­gen­heit zu den ande­ren Ländern.

In der Fol­ge wären aber der Was­ser­man­gel in der Welt und damit viel­fäl­ti­ge Ursa­chen für Krie­ge besei­tigt. Der Bedarf an Rüs­tungs­aus­ga­ben wür­de wahr­schein­lich sin­ken, womit die Aus­ga­ben auch volks­wirt­schaft­lich sinn­voll für das inves­tie­ren­de Land wären.

Könn­te dies nicht eine schö­ne neue Welt sein oder bin ich ein hoff­nungs­lo­ser Idealist?

Auf alle Fäl­le lohnt sich gele­gent­lich der Blick auf die Fak­ten und deren Kom­bi­na­ti­on im neu­en Licht.

 

Andre­as Kieß­ling, Lei­men, 09. März 2019

3 Kommentare zu „Meerwasserentsalzung“

  1. Vom tie­fen Sinn, Glau­bens­grund­sät­ze zu hin­ter­fra­gen, han­delt u.a. der Bei­trag. M.E. auch eine Grund­satz­fra­ge der gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung, wenn sich doch eine drin­gend benö­tig­te Ent­wick­lung an Demo­kra­tie ein­stel­len soll. Wer an alten Glau­bens­grund­sät­zen fest­hält, bringt Still­stand und gefähr­det das Gan­ze. Die Gegen­wart zeigt das ein­drucks­voll. Ein groß­ar­ti­gem Arti­kel, der auch offen für mehr Mut plä­diert, alt­her­ge­brach­te Vor­stel­lun­gen oder angeb­lich “Fest­ste­hen­des” zu hin­ter­fra­gen. Poten­zi­al und Fort­schritt kann sich nur ent­fal­ten, wo man alte Pfa­de ver­lässt oder sich der Mani­pu­la­ti­on des Schein­ba­ren (oder Mäch­ti­gen) entzieht.

  2. In Zei­ten von Dür­re und Hit­ze, habe ich sehr schnell fata­lis­ti­sche Gedan­ken und ver­lie­re Lebens­mut. Der Arti­kel hat mir gera­de echt den Abend geret­tet, auch mal Licht zu sehen, statt immer nur den Schat­ten. Lie­be Dank

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